Ratgeber · Bronzefiguren und Skulpturen
Wiener Bronzen: Kleine Figuren mit Sammlerwert
Kleine bemalte Tierfiguren, Vögel oder orientalische Szenen aus Bronze finden sich in vielen Vitrinen und Nachlässen. Häufig handelt es sich um Wiener Bronzen, ein eigenständiges und beliebtes Sammelgebiet. Ihr Reiz liegt in der feinen Machart und der lebendigen Bemalung.
Was sind Wiener Bronzen?
Als Wiener Bronzen bezeichnet man kleine, meist kaltbemalte Bronzefiguren, die vor allem in der zweiten Hälfte des 19. und im frühen 20. Jahrhundert in Wiener Werkstätten entstanden. Wien war damals ein Zentrum dieses Kunsthandwerks, und die Figuren wurden in viele Länder exportiert.
Typisch ist die Kaltbemalung. Dabei wird die Farbe nach dem Guss aufgetragen und nicht eingebrannt. So entstehen sehr naturalistische Farben, etwa beim Gefieder eines Vogels oder beim Fell eines Hundes. Gleichzeitig ist diese Bemalung empfindlich und nutzt sich mit der Zeit ab.
Beliebte Motive
Die Bandbreite der Motive ist groß. Viele Figuren sind nur wenige Zentimeter hoch, manche passen auf eine Fingerkuppe. Andere sind größer und dienten als Schreibtischobjekte.
Besonders gefragt sind ungewöhnliche Motive und Figurengruppen, bei denen mehrere Tiere oder Personen eine kleine Szene bilden. Auch Stücke mit Mechanik, die sich öffnen lassen, haben eine eigene Sammlerschaft. Hier ist wichtig, dass Scharniere und Verschlüsse noch funktionieren und keine Teile fehlen.
- Vögel, Hunde, Katzen und Wildtiere
- Tierszenen mit Kleidung oder menschlichem Verhalten
- orientalische Szenen mit Teppichhändlern, Reitern oder Kamelen
- Jagd- und Reitmotive
- Gebrauchsgegenstände wie Tintenfässer, Aschenbecher oder Petschafte
- Figuren mit Klappmechanismus und überraschendem Innenleben
Hersteller und Marken
Zu den bekanntesten Namen gehört die Werkstatt von Franz Bergman. Ihre Figuren tragen häufig einen Stempel mit einem B in einer gefäßartigen Umrandung. Manche erotische oder humorvolle Stücke wurden mit Nam Greb signiert, dem rückwärts gelesenen Namen Bergman. Ein weiterer bekannter Name ist Carl Kauba, dessen Arbeiten oft mit Kauba gezeichnet sind.
Viele Wiener Bronzen tragen allerdings keine Marke. Häufig findet sich nur der Hinweis Austria oder Geschützt, der auf Exportware oder einen Musterschutz hinweist. Der Wert hängt dann umso mehr von Qualität und Zustand ab.
Marken sitzen meist an der Unterseite, oft klein und durch die Patina schwer zu erkennen. Eine Lupe und eine Taschenlampe helfen. Fehlt eine Marke, kann ein Vergleich mit gesicherten Stücken in Auktionsarchiven weiterhelfen, denn viele Modelle wurden in gleicher Form mehrfach gefertigt.
Woran Sammler Qualität erkennen
Gute Wiener Bronzen zeichnen sich durch eine feine Ziselierung aus. Federn, Fell und Gesichtszüge sind klar herausgearbeitet, die Bemalung ist sorgfältig und differenziert. Bei einfacheren Stücken wirken die Details weicher und die Farben flächiger.
Der Zustand der Kaltbemalung ist für Sammler besonders wichtig. Eine weitgehend erhaltene, nicht übermalte Bemalung wird deutlich höher geschätzt als eine abgeriebene oder nachträglich aufgefrischte. Kleine Fehlstellen an exponierten Stellen sind bei alten Stücken normal, flächige Übermalungen dagegen mindern den Wert.
Bei der Prüfung achten Sammler vor allem auf diese Punkte:
Wichtig zu wissen: Figuren im Stil der Wiener Bronzen werden bis heute hergestellt, zum Teil in traditioneller Technik, zum Teil als einfache Nachgüsse. Neuere Stücke wirken oft sehr frisch und gleichmäßig, die Farben kräftig und ohne Gebrauchsspuren.
- Feinheit der Ziselierung an Fell, Federn und Gesichtern
- Anteil der erhaltenen originalen Bemalung
- Spuren von Übermalung oder neuem Lack
- sauber gearbeitete Unterseite und Gussqualität
- Vollständigkeit bei Figurengruppen und Mechaniken
- vorhandene Marken oder Stempel
Pflege und Aufbewahrung
Kaltbemalte Figuren sollten Sie nur trocken mit einem weichen Pinsel abstauben. Wasser, Spülmittel und Putztücher können die Farbe lösen. Bewahren Sie die Figuren staubgeschützt auf, etwa in einer Vitrine, und vermeiden Sie häufiges Anfassen. Beim Verpacken für einen Transport wickeln Sie jede Figur einzeln in weiches Papier.
Ein trockener Ort mit gleichmäßiger Temperatur schützt die Bronze vor Korrosion. Feuchte Keller oder Dachböden mit starken Schwankungen sind ungünstig, weil sich dort grüne Ablagerungen bilden können und die Farbe schneller abblättert.
Ihre Sammlung bei Ankauf Allerlei anbieten
Wiener Bronzen kommen selten allein. Oft hat jemand über Jahre eine ganze Vitrine gefüllt. Gerade solche Sammlungen sehen wir uns gern als Ganzes an. Stellen Sie die Figuren für ein Übersichtsfoto nebeneinander und ergänzen Sie Nahaufnahmen einzelner Stücke und der Unterseiten. Sie können uns die Fotos per WhatsApp, E-Mail oder Formular schicken oder einen Termin bei Ihnen zu Hause vereinbaren. Auf Wunsch zahlen wir vor Ort bar.
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Häufige Fragen
Woher weiß ich, ob meine Figur kaltbemalt ist?
Kaltbemalung liegt sichtbar auf dem Metall und zeigt an Kanten oft kleine Abriebstellen, unter denen Bronze hervorschaut. Die Farben sind matt bis seidig und nicht glasiert wie bei Porzellan oder Emaille.
Sind sehr kleine Figuren weniger wert als größere?
Nicht automatisch. Gerade Miniaturen mit feiner Ausführung sind bei Sammlern beliebt. Motiv, Qualität und Erhaltung der Bemalung sind wichtiger als die Größe allein.
Darf ich abgeplatzte Farbe selbst ausbessern?
Davon raten wir ab. Nachträgliche Übermalungen fallen Sammlern meist auf und mindern den Wert stärker als kleine originale Fehlstellen.
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