Ratgeber · Bronzefiguren und Skulpturen

Signaturen und Gießerstempel bei Bronzen

Viele Bronzen tragen einen Künstlernamen, manche zusätzlich das Zeichen einer Gießerei. Beide Angaben sind für die Einordnung sehr hilfreich. Gleichzeitig gehören Signaturen zu den Merkmalen, die am häufigsten nachgeahmt werden.

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Bronzefiguren und Skulpturen

Wo Sie Signatur und Stempel finden

Bei Bronzefiguren sitzt die Signatur meist auf der Plinthe, also der gegossenen Bodenplatte, auf der die Figur steht. Häufig ist sie an der Seite oder auf der Oberseite dieser Platte zu finden, manchmal auch an einem Baumstumpf, einem Felsen oder am Gewandsaum. Gießerstempel befinden sich oft an der Rückseite der Plinthe, an der Unterseite oder am Rand.

Suchen Sie die Figur mit einer Taschenlampe ab und drehen Sie sie langsam. Durch Patina und Staub sind die Zeichen manchmal nur schwer zu erkennen. Ein seitlicher Lichteinfall lässt erhabene und vertiefte Buchstaben besser hervortreten.

Prüfen Sie auch Sockel aus Marmor oder Holz. Manchmal kleben dort Etiketten von Händlern oder alte Inventarnummern, die etwas über die Herkunft verraten.

Gegossene und nachträgliche Signaturen

Bei einem regulären Guss ist die Signatur in der Regel Teil des Modells und wird mitgegossen. Sie wirkt dann wie aus einem Stück mit der Plinthe, liegt unter derselben Patina und hat weiche, leicht abgerundete Kanten. Gravierte oder eingeschlagene Signaturen kommen ebenfalls vor, etwa bei Nummern oder Gießerangaben.

Hellhörig sollten Sie werden, wenn eine Signatur auffallend scharfkantig ist, heller glänzt als ihre Umgebung oder die Patina rund um die Buchstaben verletzt wirkt. Das kann auf eine spätere Zufügung hindeuten. Auch eine Signatur an einer Stelle, die beim Guss kaum erreichbar war, ist ungewöhnlich.

Bekannte Gießereien und ihre Zeichen

Gießereistempel helfen, Herkunft und Qualität einzuordnen. Einige Namen tauchen bei Bronzen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts besonders häufig auf. Die Liste ist nur eine kleine Auswahl:

Ein Gießerstempel kann ein Qualitätsmerkmal sein, weil renommierte Gießereien für saubere Güsse und sorgfältige Nacharbeit standen. Er sagt aber nichts darüber, wann genau eine Figur gegossen wurde. Manche Gießereien haben Modelle über viele Jahrzehnte immer wieder hergestellt, und auch Stempel wurden nachgeahmt.

  • F. Barbedienne, Paris, oft mit dem Zusatz Fondeur
  • Susse Frères, Paris
  • Thiébaut Frères, Paris
  • Aktien-Gesellschaft Gladenbeck, Berlin
  • Hermann Noack, Berlin
  • der Stempel von Franz Bergman, Wien, bei Wiener Bronzen

Weitere Angaben auf der Plinthe

Neben Namen finden sich auf Bronzen oft zusätzliche Hinweise. Sie zu kennen hilft beim Lesen der Figur und beim Gespräch mit einem Ankäufer.

Sind solche Angaben schwer lesbar, hilft oft ein Foto mit hoher Auflösung, das Sie anschließend am Bildschirm vergrößern. Notieren Sie alle Zeichen, die Sie erkennen, auch wenn Ihnen ihre Bedeutung unklar ist. Gerade kleine Ziffern oder Buchstaben neben der Signatur können für die Einordnung wichtig sein.

  • Nummern wie 3/8, die eine limitierte Auflage kennzeichnen
  • der Vermerk cire perdue für das Wachsausschmelzverfahren
  • Hinweise auf mechanische Verkleinerungen eines größeren Originals
  • Jahreszahlen oder Ortsangaben des Künstlers
  • Modellnummern von Herstellern
  • Länderangaben wie Made in oder Austria bei Exportware

Berühmte Namen mit Vorsicht betrachten

Seit Jahrzehnten werden Figuren nach Entwürfen bekannter Bildhauer neu gegossen, oft in großer Zahl. Besonders häufig betroffen sind Tierbildhauer des 19. Jahrhunderts und Art-déco-Künstler. Diese Nachgüsse tragen meist ebenfalls den Namen des Künstlers, manchmal sogar einen nachgeahmten Gießerstempel.

Ein bekannter Name sagt deshalb allein wenig über den Wert aus. Entscheidend sind Gussqualität, Ziselierung, Patina, Gewicht und Proportionen im Vergleich zu gesicherten Originalen. Grobe Details, poröse Oberflächen und eine gleichförmige, wie aufgemalt wirkende Patina sprechen eher für einen späteren Guss. Bei wichtigen Stücken lohnt der Rat von Fachleuten oder der Abgleich mit einem Werkverzeichnis.

Hinzu kommt, dass Nachgüsse häufig in anderen Größen angeboten werden als die Originalmodelle. Weicht Ihre Figur in Maß oder Details deutlich von bekannten Exemplaren ab, ist das ein Hinweis, den eine Fachperson genauer ansehen sollte. Bewahren Sie zudem alle Belege auf, etwa alte Rechnungen oder Briefe, in denen die Figur erwähnt wird. Solche Unterlagen können die Herkunft stützen.

Signierte Bronzen bei Ankauf Allerlei einschätzen lassen

Fotografieren Sie Signatur und Stempel so scharf wie möglich und legen Sie ein Lineal daneben, damit Größe und Lage erkennbar sind. Zusammen mit Gesamtansichten der Figur schicken Sie die Bilder per WhatsApp, E-Mail oder über unser Formular. Wir melden uns mit einer unverbindlichen Ersteinschätzung und erklären Ihnen später auch, welche Merkmale unser Angebot beeinflusst haben.

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Häufige Fragen

Meine Bronze hat keinen Gießerstempel. Ist das ein schlechtes Zeichen?

Nein. Viele Gießereien haben ihre Arbeiten nicht oder nicht immer gestempelt. Ein fehlender Stempel ist also kein Hinweis auf eine Fälschung, ein vorhandener aber ein hilfreiches Detail.

Was bedeutet cire perdue auf meiner Figur?

Der französische Begriff steht für das Wachsausschmelzverfahren, ein aufwendiges Gussverfahren für sehr feine Details. Der Vermerk allein garantiert jedoch noch kein frühes Original.

Kann ich eine Signatur selbst im Internet überprüfen?

Sie können den Namen recherchieren und Abbildungen gesicherter Werke vergleichen. Für eine verlässliche Aussage zur Echtheit reicht das aber selten, da auch Nachgüsse korrekte Namen tragen.

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