Ratgeber · Briefmarkensammlungen
Welche Briefmarken sind wertvoll? Klassik, Altdeutschland und Deutsches Reich
Nicht jede alte Marke ist wertvoll, und nicht jede neue Marke ist wertlos. Sammler interessieren sich vor allem für bestimmte Gebiete und Zeiträume. Dieser Beitrag erklärt, welche Bereiche besonders gefragt sind und woran man hochwertige Stücke erkennt.
Die Klassik: Welt von 1840 bis 1900
Die Geschichte der Briefmarke beginnt 1840 in Großbritannien mit der One Penny Black. In den folgenden Jahrzehnten führten immer mehr Länder eigene Marken ein. Diese frühen Ausgaben bezeichnet man als Klassik. Sie wurden in deutlich kleineren Mengen gedruckt als spätere Marken, und viele Exemplare sind im Laufe der Zeit verloren gegangen.
Typisch für klassische Marken sind einfache Motive wie Herrscherporträts, Wappen oder Wertziffern. Manche Ausgaben sind noch ungezähnt und mussten mit der Schere vom Bogen getrennt werden. Bei solchen Marken achtet man darauf, dass der Rand rundum ausreichend breit ist und das Markenbild nicht angeschnitten wurde.
Zu den frühen Ausgaben außerhalb Großbritanniens gehören etwa die Kantonalmarken von Zürich und Genf aus dem Jahr 1843 oder die brasilianischen Ochsenaugen aus demselben Jahr. Bis etwa 1900 hatten nahezu alle Staaten der Welt eigene Marken eingeführt. Sammlungen dieser Epoche sind oft nach Ländern geordnet und enthalten neben Marken auch frühe Briefe, deren Stempel und Laufwege für Sammler besonders aufschlussreich sind.
Altdeutschland: Marken vor der Reichsgründung
Vor 1871 gaben die einzelnen deutschen Staaten und Städte eigene Marken heraus. Den Anfang machte Bayern 1849 mit dem Schwarzen Einser. Unter Altdeutschland fasst man diese Ausgaben zusammen, ergänzt durch den Norddeutschen Postbezirk. Zu den bekannten Gebieten zählen:
- Bayern, Württemberg und Baden im Süden
- Preußen, Sachsen und Hannover im Norden und in der Mitte
- Thurn und Taxis mit eigenem Postgebiet in mehreren Staaten
- Hansestädte wie Hamburg, Bremen und Lübeck
- Kleinere Gebiete wie Oldenburg, Mecklenburg, Braunschweig oder Bergedorf
- Norddeutscher Postbezirk als Übergang zur Reichspost
Das Deutsche Reich und seine Besonderheiten
Ab 1872 erschienen Marken der Reichspost. Die ersten Ausgaben zeigen einen Adler mit Brustschild, später folgte die lange verbreitete Germania-Serie. Zum Sammelgebiet Deutsches Reich gehören außerdem die Marken der deutschen Kolonien und Auslandspostämter, die Zeppelinmarken der Zwischenkriegszeit sowie zahlreiche Sondermarken und Blocks.
Nicht alles aus dieser Zeit ist selten. Die Inflationsmarken von 1916 bis 1923 etwa wurden in riesigen Mengen gedruckt und sind meist häufig. Innerhalb dieser Gebiete gibt es aber gesuchte Einzelstücke, Abarten und gut erhaltene Briefe. Gerade deshalb lohnt sich bei einer gut aufgebauten Reichssammlung ein genauer Blick. Interessant sind neben den Marken selbst auch Belege: Briefe mit seltenen Stempeln, Mischfrankaturen oder Zeppelinpost sind für viele Sammler ein eigenes Gebiet. Lösen Sie solche Belege deshalb niemals auf.
Merkmale, die über den Wert entscheiden
Zwei äußerlich gleiche Marken können sehr unterschiedlich bewertet werden. Fachleute prüfen vor allem folgende Punkte:
- Erhaltung: postfrisch mit Originalgummi, ungebraucht mit Falz oder gestempelt.
- Zähnung: vollständige, gleichmäßige Zähne ohne Fehlstellen.
- Zentrierung: Markenbild mittig, Ränder gleichmäßig breit.
- Stempel: klar lesbar, echt gelaufen und zeitgerecht.
- Mängel: dünne Stellen, Risse, Flecken oder Knicke mindern den Wert stark.
- Prüfung: Signaturen anerkannter Prüfer oder ein Attest schaffen Sicherheit.
Fälschungen und Prüfung
Wo Werte im Spiel sind, gibt es auch Fälschungen. Das betrifft gerade klassische Marken, seltene Stempel und Aufdrucke. Manche Fälschungen sind über hundert Jahre alt und wurden schon zu Zeiten der Originale hergestellt. Für Laien sind sie kaum zu erkennen.
Deshalb spielen Prüfzeichen und Atteste eine große Rolle. Ein Prüfer begutachtet die Marke und bestätigt Echtheit und Erhaltung. Liegen solche Unterlagen bei Ihrer Sammlung, bewahren Sie sie gut auf und geben Sie sie bei einem Verkauf unbedingt mit. Versuchen Sie nicht, selbst Marken mit Wasser oder Chemikalien zu behandeln, um Stempel zu prüfen.
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Häufige Fragen
Ist eine gestempelte Marke weniger wert als eine ungebrauchte?
Das hängt vom Gebiet ab. Bei manchen klassischen Ausgaben sind gestempelte Stücke mit sauberem, zeitgerechtem Stempel sogar gesuchter. Bei jüngeren Marken bevorzugen Sammler meist postfrische Erhaltung.
Was ist der Unterschied zwischen postfrisch und ungebraucht?
Postfrisch bedeutet, dass die Marke unbenutzt ist und die Gummierung unberührt erhalten blieb. Ungebraucht bezeichnet Marken, die ebenfalls nicht verwendet wurden, aber zum Beispiel Spuren eines Klebefalzes tragen. Dieser Unterschied kann sich deutlich auf den Wert auswirken.
Lohnt es sich, einzelne seltene Marken prüfen zu lassen?
Bei Marken, die als wertvoll gelten, kann eine Prüfung sinnvoll sein. Sie kostet allerdings Geld und lohnt sich nicht bei jedem Stück. Sprechen Sie uns vorher an, wir sagen Ihnen gern, ob wir eine Prüfung für nötig halten.
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