Ratgeber · Porzellan

Porzellanmarken bestimmen: Rosenthal, KPM, Nymphenburg und Co.

Auf der Unterseite fast jedes Porzellanstücks findet sich ein Zeichen, das den Hersteller verrät. Wer diese Marken lesen kann, weiß schnell, ob ein Teller aus einer bekannten Manufaktur stammt oder aus einer einfachen Massenfertigung. Wir stellen die wichtigsten Marken vor und zeigen, wie Sie dabei vorgehen.

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Was eine Bodenmarke verrät

Eine Porzellanmarke ist so etwas wie die Unterschrift des Herstellers. Sie kann unter der Glasur gemalt, auf die Glasur gestempelt oder in die noch weiche Masse eingepresst sein. Marken unter der Glasur sind meist blau, weil Kobaltblau den hohen Brand verträgt. Aufglasurmarken sind oft grün, rot, schwarz oder gold und wurden häufig zusammen mit dem Dekor aufgebracht.

Viele Hersteller haben ihre Marke im Lauf der Jahrzehnte verändert. Deshalb hilft das Zeichen nicht nur bei der Frage nach dem Hersteller, sondern oft auch bei der zeitlichen Einordnung. Markenlexika und Datenbanken sammeln diese Varianten. Für eine erste Bestimmung genügt aber oft schon ein genauer Blick.

Wichtig ist außerdem, zwischen Herstellermarke und Malermarke zu unterscheiden. Viele Stücke wurden als weiße Ware verkauft und später von Porzellanmalern oder Dekorbetrieben bemalt. Dann trägt der Boden neben der Marke der Manufaktur manchmal ein zweites Zeichen, etwa den Namen eines Malereibetriebs. Für den Wert ist entscheidend, wer die Bemalung ausgeführt hat.

KPM Berlin: Zepter und Reichsapfel

Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, kurz KPM, wurde 1763 gegründet. Ihr bekanntestes Zeichen ist ein blaues Zepter unter der Glasur. Stücke, die in der Manufaktur bemalt wurden, tragen häufig zusätzlich eine farbige Malereimarke, etwa einen kleinen Reichsapfel. Ähnlich wie bei anderen Manufakturen können Schleifstriche durch das Zepter auf eine geringere Sortierung hinweisen.

Vorsicht ist bei den Buchstaben KPM geboten. Diese Abkürzung haben auch andere Hersteller verwendet, zum Beispiel die Krister Porzellan-Manufaktur in Waldenburg. Entscheidend für Berliner Porzellan ist daher das Zepter, nicht allein die drei Buchstaben.

Weitere traditionsreiche Manufakturen

Neben Meissen und KPM gibt es eine Reihe weiterer Manufakturen, deren Stücke gesammelt werden. Ihre Marken sind gut zu unterscheiden:

  • Nymphenburg (München): ein kleiner, eingepresster Rautenschild nach dem bayerischen Wappen, oft schwer zu sehen
  • Fürstenberg (Weserbergland): ein blaues, geschwungenes F, später teils mit Krone
  • Augarten (Wien): der blaue Bindenschild, häufig mit Krone
  • Herend (Ungarn): ein blaues Wappen mit dem Schriftzug Herend
  • Goldscheider (Wien): bekannt für Figuren und Keramik, meist mit Namensmarke
  • Ludwigsburg und Frankenthal: historische Manufakturen mit verschlungenen Monogrammen

Rosenthal, Hutschenreuther und das Porzellan aus Selb

Ein großer Teil des Porzellans in deutschen Haushalten stammt aus Oberfranken, vor allem aus Selb. Rosenthal und Hutschenreuther gehören zu den bekanntesten Namen. Ihre Marken bestehen meist aus dem Firmennamen, oft kombiniert mit einer Krone oder einem Löwen. Häufig sind auch die Form, der Dekor oder der Designer auf dem Boden genannt. Bei Rosenthal weist die Bezeichnung studio-linie auf Entwürfe namhafter Gestalter hin, etwa von Björn Wiinblad.

Ein häufiger Irrtum betrifft das Wort Bavaria. Es nennt nur die Region Bayern und sagt nichts über den Hersteller aus. Viele Betriebe unterschiedlicher Qualität haben diese Angabe verwendet. Erst der Name oder das Firmenzeichen daneben verrät, woher das Stück wirklich stammt.

Bei Industrieporzellan lohnt sich außerdem ein Blick auf die Form- und Dekorbezeichnungen. Viele Serien wurden über Jahrzehnte hergestellt, sodass zwei Teller mit gleichem Dekor aus ganz unterschiedlichen Jahren stammen können. Sammler achten deshalb auf Details wie die Gestaltung des Firmenzeichens, die sich mit der Zeit verändert hat.

So gehen Sie beim Bestimmen vor

Mit etwas Geduld können Sie die meisten Marken selbst einordnen. Diese Schritte haben sich bewährt:

  • Stück umdrehen und bei hellem Tageslicht oder mit einer Taschenlampe ansehen
  • eine Lupe verwenden, um feine Details und Schleifstriche zu erkennen
  • fühlen, ob die Marke unter der Glasur liegt oder sich ertasten lässt
  • auch auf eingepresste Zeichen und Nummern achten, die ohne Farbe auskommen
  • Schriftzüge zu Form, Dekor oder Designer notieren
  • die Marke scharf fotografieren und mit Abbildungen in Markenlexika vergleichen

Ihre Marke bestimmt? So geht es bei uns weiter

Wenn Sie unsicher sind oder viele verschiedene Marken vor sich haben, nehmen wir Ihnen die Arbeit gern ab. Schicken Sie uns Fotos der Bodenmarken zusammen mit einer Gesamtansicht, dann sagen wir Ihnen unverbindlich, welche Stücke interessant sind. Größere Bestände sehen wir uns am liebsten direkt bei Ihnen an. Unser Angebot erläutern wir Ihnen Position für Position, und die Zahlung erfolgt auf Wunsch sofort in bar.

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Häufige Fragen

Mein Teller trägt nur das Wort Bavaria. Ist er wertvoll?

Das lässt sich so nicht sagen, denn Bavaria bezeichnet nur die Herkunftsregion. Entscheidend sind der Herstellername, der Dekor und der Zustand. Ein Foto der vollständigen Bodenmarke hilft uns bei der Einschätzung.

Warum finde ich auf manchen Stücken gar keine Marke?

Manche Marken sind nur eingepresst und kaum sichtbar, andere wurden abgeschliffen oder nie angebracht. Auch Teile eines Services wie Deckel tragen oft keine eigene Marke. Ohne Marke helfen Form, Masse und Malerei bei der Einordnung.

Sind Stücke mit KPM-Schriftzug immer aus Berlin?

Nein. Mehrere Hersteller haben die Buchstaben KPM verwendet. Berliner Porzellan der KPM erkennen Sie am blauen Zepter unter der Glasur.

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