Ratgeber · Porzellan
Meissen-Porzellan erkennen: Die Schwertermarke
Die gekreuzten blauen Schwerter gehören zu den bekanntesten Marken der Welt. Wer ein Stück mit dieser Marke im Schrank findet, möchte wissen, ob es wirklich aus Meissen stammt und was die kleinen Zusatzzeichen bedeuten. Dieser Beitrag erklärt, worauf Sie bei der Bodenmarke achten können.

Woher die Schwertermarke kommt
Meissen war die erste europäische Manufaktur, der die Herstellung von echtem Hartporzellan gelang. Sie wurde 1710 gegründet und arbeitete zunächst in der Albrechtsburg in Meißen. Um das wertvolle Porzellan vor Nachahmern zu schützen, führte die Manufaktur eine Marke ein: zwei gekreuzte Schwerter, entnommen aus dem kursächsischen Wappen. Seit den 1720er-Jahren wird dieses Zeichen verwendet, in der Frühzeit gab es daneben noch andere Kennzeichnungen.
Die Schwerter werden von Hand mit Kobaltblau auf das Porzellan gemalt und anschließend unter der Glasur gebrannt. Deshalb liegt eine echte Meissener Marke unter der glänzenden Oberfläche. Sie lässt sich weder abkratzen noch mit dem Fingernagel ertasten. Da jede Marke von Hand gemalt ist, sieht sie nie ganz gleich aus. Kleine Abweichungen in Strichstärke und Form sind also normal.
Wie sich die Marke im Lauf der Zeit verändert hat
Die Form der Schwerter wurde über die Jahrhunderte mehrfach angepasst. Fachleute nutzen diese Veränderungen, um ein Stück grob zu datieren. Die bekanntesten Varianten sind:
- Punktzeit: ein kleiner Punkt zwischen den Griffen, etwa in den 1760er- und 1770er-Jahren
- Marcolini-Zeit: ein Stern zwischen oder unter den Griffen, etwa 1774 bis 1814
- Knaufschwerter: deutlich ausgebildete Knäufe an den Griffenden, etwa 1850 bis 1924
- Pfeifferzeit: ein Punkt zwischen den Klingenspitzen, etwa 1924 bis 1934
- Spätere Zeit: überwiegend schlichte, gekreuzte Schwerter ohne Zusatzzeichen
Schleifstriche: Was die Kerben in der Marke bedeuten
Manchmal ist die Schwertermarke von einem oder mehreren kurzen Strichen durchzogen, die in die Glasur geschliffen wurden. Diese Schleifstriche zeigen die Sortierung an. Ein Strich steht für die zweite Wahl, zwei Striche für die dritte Wahl. Weitere Striche kennzeichnen noch geringere Sortierungen. Gründe dafür können kleine Brandfehler, Unebenheiten oder Unregelmäßigkeiten in der Bemalung sein, die einem Laien oft gar nicht auffallen.
Für den Wert spielt die Sortierung eine wichtige Rolle. Ein Stück erster Wahl ist bei Sammlern deutlich gefragter als ein gleiches Stück mit Schleifstrich. Außerdem wurde weißes, ungemaltes Porzellan mit Schleifstrichen früher auch an Fremdmaler abgegeben, die es außerhalb der Manufaktur bemalten. Solche Stücke tragen zwar die echte Marke, die Bemalung stammt aber nicht aus Meissen.
Weitere Hinweise am Boden und an der Bemalung
Neben der Schwertermarke finden sich am Boden oft eingeritzte oder eingepresste Formnummern sowie kleine Zeichen, die auf Maler oder Former hinweisen. Diese Angaben helfen einem Fachmann, das Modell genauer einzuordnen. Bei Figuren lohnt sich ein Blick auf die Modellnummer, denn viele Entwürfe des 18. Jahrhunderts, etwa von Johann Joachim Kändler, wurden später erneut ausgeformt. Das Modell allein sagt daher noch nichts über das Alter des einzelnen Stücks.
Folgende Punkte sollten Sie sich bei einem Meissener Stück genauer ansehen:
- Lage der Marke unter der Glasur und ihre Farbe
- Schleifstriche durch die Schwerter
- eingeritzte Form- oder Modellnummern
- Qualität der Malerei, etwa feine Blumen oder das Zwiebelmuster
- Vergoldung und deren Abrieb
- Beschädigungen wie Chips, abgebrochene Finger oder Blüten bei Figuren
Nachahmungen und verwechselbare Marken
Nicht jede blaue Marke mit gekreuzten Linien stammt aus Meissen. Schon im 18. und 19. Jahrhundert haben andere Hersteller ähnliche Zeichen verwendet, um von dem bekannten Namen zu profitieren. Dazu kommen Stücke aus Dresdner Malerwerkstätten, die als Dresdner Porzellan verkauft wurden und eigene, teils ähnlich wirkende Marken tragen. Auch Marken mit einem verschlungenen Monogramm AR sind fast immer spätere Nachahmungen.
Hinweise auf eine Nachahmung sind etwa eine Marke, die auf der Glasur liegt und sich ertasten lässt, eine gestempelte statt gemalte Marke oder eine auffällig grobe Malerei. Sicher ist eine Zuordnung aber erst nach dem Vergleich durch jemanden, der viele echte Stücke gesehen hat.
Meissener Porzellan bei Ankauf Allerlei bewerten lassen
Für eine erste Einschätzung genügen meist gute Fotos. Fotografieren Sie die Bodenmarke bei Tageslicht so nah, dass Schleifstriche und Nummern erkennbar sind, und zeigen Sie das Stück von allen Seiten. Senden Sie die Bilder per WhatsApp, E-Mail oder über unser Formular. Bei Figuren oder größeren Sammlungen kommen wir auf Wunsch zu Ihnen, sehen uns alles in Ruhe an und erklären Ihnen, wie unser Angebot zustande kommt. Sind Sie einverstanden, zahlen wir direkt vor Ort in bar.
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Häufige Fragen
Kann ich die Schwertermarke selbst sicher als echt bestimmen?
Eine erste Orientierung ist möglich, etwa ob die Marke unter der Glasur liegt. Eine sichere Bestimmung erfordert aber den Vergleich mit vielen echten Stücken. Schicken Sie uns im Zweifel Fotos, dann geben wir Ihnen eine unverbindliche Ersteinschätzung.
Ist Meissen mit Schleifstrich wertlos?
Nein. Stücke zweiter oder dritter Wahl werden ebenfalls gesammelt und angekauft. Der Wert liegt jedoch in der Regel unter dem eines vergleichbaren Stücks erster Wahl.
Woran erkenne ich, ob eine Meissener Figur alt ist?
Das Modell allein verrät das nicht, weil viele alte Entwürfe bis heute ausgeformt werden. Hinweise geben die Form der Schwertermarke, Nummern am Boden, die Malweise und die Masse des Porzellans. Eine verlässliche Einordnung gehört in fachkundige Hände.
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