Ratgeber · Perserteppiche und Kelims

Perserteppiche und ihre Herkunft: Täbris, Isfahan, Nain und Co.

Perserteppiche tragen meist den Namen einer Stadt, einer Region oder eines Stammes. Dieser Name steht für einen bestimmten Stil, oft auch für eine bestimmte Qualität. Wer die wichtigsten Herkünfte kennt, kann seinen eigenen Teppich besser einordnen und versteht, warum zwei ähnlich große Stücke sehr unterschiedlich bewertet werden.

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Perserteppiche und Kelims

Warum die Herkunft so wichtig ist

In Persien haben sich über Jahrhunderte regionale Knüpftraditionen entwickelt. Jede Region hat ihre eigenen Muster, Farben, Materialien und Knüpftechniken. In den Städten entstanden in Werkstätten oft sehr feine Teppiche nach Entwürfen, in den Dörfern und bei Nomaden eher kräftige, geometrische Stücke, die aus dem Gedächtnis geknüpft wurden.

Der Herkunftsname beschreibt allerdings nicht immer den tatsächlichen Knüpfort. Begriffe wie Täbris oder Keshan werden auch als Musterbezeichnungen verwendet, zum Beispiel für Teppiche aus Indien, die im Stil einer persischen Stadt geknüpft sind. Gemeint ist dann das Design, nicht die Herkunft. Für die Bewertung ist der Unterschied erheblich.

Neben der Herkunft spielt auch das Alter eine Rolle. Teppiche, die vor vielen Jahrzehnten mit Naturfarben geknüpft wurden, haben oft eine weichere, lebendigere Farbwirkung als jüngere Stücke. Sammler sprechen dabei von Abrasch, wenn eine Farbe innerhalb einer Fläche leicht changiert, weil die Wolle in unterschiedlichen Partien gefärbt wurde. Das gilt nicht als Fehler, sondern als Zeichen echter Handarbeit.

Bekannte Stadtteppiche im Überblick

Stadtteppiche entstehen in Werkstätten nach festen Vorlagen. Sie sind meist fein geknüpft und haben eine klare, oft florale Zeichnung. Zu den bekanntesten gehören:

  • Täbris: große Handelsstadt im Nordwesten, sehr vielfältige Muster von Medaillons bis zu Bildteppichen, Qualität von einfach bis sehr fein
  • Isfahan: sehr feine Teppiche mit Rankenwerk und Medaillon, häufig mit Seidenkette und Seidenanteilen
  • Nain: helle Farben wie Elfenbein, Beige und Blau, Wolle mit Konturen aus Seide
  • Ghom: oft vollständig aus Seide geknüpft, fein und farbig, eine vergleichsweise junge Knüpftradition
  • Keshan: klassische Teppiche mit Medaillon, häufig in tiefem Rot und Dunkelblau
  • Sarough: dichte Wollteppiche mit Blumenmustern, oft auf rotem Grund

Nain und die La-Angabe

Bei Nain-Teppichen begegnet Ihnen oft eine Angabe wie 4La, 6La oder 9La. Sie bezieht sich auf die Zahl der Fäden, aus denen die Kettfäden gedreht sind. Je kleiner die Zahl, desto dünner die Kette und desto feiner kann geknüpft werden. Ein 4La gilt daher als besonders fein, ein 9La als gröber. Die Angabe steht manchmal auf einem Etikett oder im Kaufbeleg.

Auch bei Isfahan und Ghom finden sich mitunter eingeknüpfte Signaturen bekannter Werkstätten oder Meisterknüpfer. Sie stehen meist am oberen oder unteren Rand in der Bordüre. Eine solche Signatur kann den Wert deutlich steigern, sofern sie echt ist und zum Teppich passt.

Dorf- und Nomadenteppiche

Neben den feinen Stadtteppichen werden auch kräftige, ursprüngliche Arbeiten aus Dörfern und von Nomadenstämmen gesammelt. Ihre Muster sind meist geometrisch, die Farben satt und die Knüpfung gröber. Kleine Unregelmäßigkeiten in Form und Farbe sind hier ausdrücklich erwünscht, denn sie zeigen, dass ohne feste Vorlage gearbeitet wurde. Wichtige Gruppen sind:

  • Heriz: großformatige, robuste Teppiche mit markantem, geometrischem Medaillon
  • Bidjar: sehr dicht und schwer geknüpft, wegen ihrer Festigkeit oft Eisenteppich genannt
  • Hamadan: Sammelbegriff für Teppiche aus vielen Dörfern dieser Region
  • Ghashghai: Nomadenteppiche aus dem Süden mit Tier- und Stammesmotiven
  • Belutsch: eher kleine Formate in dunklen Rot-, Braun- und Blautönen

Wie sich die Herkunft eingrenzen lässt

Eine sichere Zuordnung ist auch für Fachleute nicht immer einfach. Sie berücksichtigen dabei mehrere Merkmale gleichzeitig: das Muster und seine Aufteilung, die Farbpalette, das Material von Kette und Schuss, die Knotenart und die Dichte der Knüpfung. Hinzu kommt der Gesamteindruck, etwa wie steif oder weich sich der Teppich anfühlt.

Als Laie können Sie vorhandene Unterlagen sammeln, Etiketten fotografieren und das Muster mit Abbildungen vergleichen. Notieren Sie außerdem, wie und wann der Teppich in die Familie kam. Eine Rechnung aus einem Fachgeschäft oder eine Erinnerung an eine Reise ist oft ein wertvoller Hinweis.

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Häufige Fragen

Ist ein Täbris-Teppich immer aus der Stadt Täbris?

Nicht unbedingt. Der Name wird auch als Musterbezeichnung verwendet, etwa für Teppiche aus Indien im Täbris-Stil. Echte Herkunft und reiner Musterstil werden unterschiedlich bewertet.

Was bedeutet die Angabe 6La bei meinem Nain?

Sie beschreibt, aus wie vielen Fäden die Kettfäden gedreht sind. Je kleiner die Zahl, desto feiner kann der Teppich geknüpft sein. 6La liegt dabei im mittleren Bereich zwischen den feineren 4La und den gröberen 9La.

Sind Nomadenteppiche weniger wert als Stadtteppiche?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Gute alte Nomadenarbeiten mit kräftigen Naturfarben haben ihre eigenen Sammler. Entscheidend sind Alter, Ausdruck, Farben und Zustand.

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