Ratgeber · Perserteppiche und Kelims
Echter Perserteppich? Handgeknüpft oder maschinell erkennen
Viele Teppiche sehen auf den ersten Blick orientalisch aus, doch nur ein Teil davon ist wirklich von Hand geknüpft. Für den Wert macht das einen großen Unterschied. Mit ein paar einfachen Prüfungen, für die Sie kein Fachwissen brauchen, kommen Sie der Antwort schon recht nahe.
Perser, Orientteppich, Maschinenware: die Begriffe
Als Perserteppich bezeichnet man einen handgeknüpften Teppich aus dem Iran, dem früheren Persien. Der Begriff Orientteppich ist weiter gefasst und schließt auch handgeknüpfte Stücke aus der Türkei, dem Kaukasus, Afghanistan, Pakistan, Indien oder China ein. Teppiche aus Indien oder Pakistan mit persischen Mustern werden oft als Indo-Perser angeboten. Sie sind ebenfalls handgeknüpft, aber keine Perser im engeren Sinn.
Daneben gibt es zwei Gruppen, die nur so aussehen: maschinell gewebte Teppiche, deren Muster auf Webstühlen entsteht, und getuftete Teppiche, bei denen Garnschlaufen in ein Trägergewebe geschossen und auf der Rückseite verklebt werden. Ein Kelim wiederum ist kein Knüpfteppich, sondern ein flach gewebter Teppich ohne Flor. Auch er kann handgearbeitet und gesucht sein.
Der Blick auf die Rückseite
Die Rückseite verrät am meisten. Schlagen Sie eine Ecke um und sehen Sie genau hin. Bei einem handgeknüpften Teppich ist jeder einzelne Knoten als kleiner Punkt zu erkennen, und das Muster zeichnet sich fast so deutlich ab wie auf der Vorderseite. Typische Merkmale sind:
- Muster auf der Rückseite klar und farbig erkennbar
- einzelne Knoten sichtbar, in Reihen angeordnet
- kleine Unregelmäßigkeiten in Reihen und Konturen
- keine Beschichtung, kein aufgeklebtes Stützgewebe
- Muster und Farben gehen durch, statt nur oben aufzuliegen
Fransen und Kanten prüfen
Bei einem handgeknüpften Teppich sind die Fransen die Enden der Kettfäden, um die herum geknüpft wurde. Sie wachsen also aus dem Teppich heraus und gehören zu seiner Grundstruktur. Bei vielen Maschinenteppichen sind die Fransen dagegen nachträglich angenäht oder als Band unter die Kante gesetzt. Wenn Sie die Fransen an einer Stelle anheben und eine Naht oder einen Stoffstreifen sehen, spricht das für eine maschinelle Herstellung.
Auch die Längskanten geben Hinweise. Beim Knüpfteppich werden sie von Hand mit Wolle umwickelt und wirken dadurch leicht unregelmäßig. Maschinell gefertigte Kanten sind meist auffällig gleichmäßig und mit einer Overlock-Naht versäubert.
Bei alten, viel benutzten Teppichen wurden Fransen und Kanten allerdings oft schon einmal ausgebessert. Neu umwickelte Kanten oder eine angesetzte Fransenleiste sind deshalb noch kein Beweis für Maschinenware. Sie zeigen nur, dass der Teppich repariert wurde, was bei einer Bewertung ebenfalls berücksichtigt wird.
Flor, Knickprobe und Material
Biegen Sie den Teppich mit dem Flor nach außen über Ihre Hand. Bei einem Knüpfteppich öffnet sich der Flor, und Sie sehen am Grund die Reihen der einzelnen Knoten, die um die Kettfäden geschlungen sind. Bei einem getufteten Teppich sehen Sie stattdessen Schlaufen und ein Trägergewebe.
Wolle fühlt sich griffig und leicht fettig an, Kunstfasern wirken oft glatter und gleichförmiger. Besondere Vorsicht ist bei Seide geboten. Viele Teppiche werden als Seide bezeichnet, bestehen aber aus Viskose, die auch Kunstseide genannt wird. Echte Seide hat einen warmen, edlen Glanz und fühlt sich kühl an, doch auch Viskose kann täuschend ähnlich wirken. Den Unterschied sicher festzustellen, überlassen Sie besser einem Fachmann. Brenn- oder Wasserproben am eigenen Teppich sind nicht zu empfehlen, weil sie Schäden hinterlassen können.
Etiketten, Zertifikate und Kaufbelege
Viele Teppiche tragen auf der Rückseite ein Etikett oder einen Stempel. Diese Angaben sind hilfreich, aber kein Beweis. Achten Sie auf folgende Hinweise:
- Herkunftsangaben wie Made in Iran oder Made in Belgium
- Materialangaben, etwa reine Schurwolle, Seide oder Polypropylen
- Hinweise auf Maschinenfertigung, oft bei Etiketten europäischer Hersteller
- Händleretiketten mit Angaben zu Herkunft und Größe
- Zertifikate und Rechnungen aus dem Fachhandel
- eingeknüpfte Signaturen bei sehr hochwertigen Stücken
Ihren Teppich bei Ankauf Allerlei prüfen lassen
Fotografieren Sie Ihren Teppich einmal komplett von vorn, dann eine umgeschlagene Ecke mit Blick auf die Rückseite und zuletzt Fransen und Kanten aus der Nähe. Notieren Sie die Maße. Mit diesen Angaben können wir Ihnen nach Fotos per WhatsApp oder E-Mail bereits sagen, ob es sich lohnt, weiterzumachen. Große Teppiche sehen wir uns am besten direkt bei Ihnen zu Hause an. Dort erklären wir Ihnen, was wir an Ihrem Stück sehen, und zahlen bei Einigung bar.
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Häufige Fragen
Ist jeder handgeknüpfte Teppich wertvoll?
Nein. Auch bei handgeknüpften Teppichen gibt es große Unterschiede in Qualität, Herkunft und Zustand. Einfache Gebrauchsteppiche erzielen heute oft nur bescheidene Preise. Gesuchte Herkünfte, feine Knüpfung und guter Zustand machen den Unterschied.
Wie erkenne ich, ob mein Teppich getuftet ist?
Getuftete Teppiche haben auf der Rückseite meist ein aufgeklebtes Gewebe oder eine Beschichtung. Das Muster ist von hinten kaum zu erkennen, und die Fransen sind angenäht. Bei einer Knickprobe sehen Sie Schlaufen statt einzelner Knoten.
Kaufen Sie auch Kelims an?
Ja, Kelims und andere Nomadenarbeiten nehmen wir gern an. Da sie flach gewebt sind, gelten für sie andere Merkmale als für Knüpfteppiche. Fotos von Vorder- und Rückseite helfen uns bei der Einschätzung.
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