Ratgeber · Gemälde und Grafiken
Ölgemälde, Aquarell oder Druck? So erkennen Sie den Unterschied
Hinter Glas oder in einem schweren Goldrahmen sieht vieles auf den ersten Blick wie ein Original aus. Ob ein Bild handgemalt, eine Originalgrafik oder ein gedruckter Kunstdruck ist, macht für den Wert einen großen Unterschied. Mit einer Lupe und gutem Licht können Sie die wichtigsten Merkmale selbst prüfen.

Merkmale eines Ölgemäldes
Ölfarbe ist zähflüssig und trocknet langsam. Deshalb sieht man auf echten Ölbildern meist Pinselspuren, Erhebungen und unterschiedlich dicken Farbauftrag. Halten Sie eine Lampe seitlich an das Bild: Pastose Stellen werfen kleine Schatten. Bei älteren Bildern zeigt die Oberfläche oft ein feines Netz aus Rissen, das sogenannte Craquelé.
Typische Bildträger sind Leinwand auf einem hölzernen Keilrahmen, Holztafeln, Malpappe oder Kupfer. Auf der Rückseite einer Leinwand erkennen Sie häufig, ob sie an den Kanten mit Nägeln oder Klammern befestigt ist. Vorsicht ist bei glatten, gleichmäßig glänzenden Oberflächen geboten, die nur oberflächlich eine Struktur zeigen. Es gibt Drucke, die nachträglich mit einem Strukturlack überzogen wurden, um Pinselstriche vorzutäuschen. Hier verlaufen die Erhebungen oft unabhängig vom Motiv.
- sichtbare Pinselspuren und Farbkanten
- unterschiedlich dicker, teils erhabener Farbauftrag
- feines Craquelé bei älteren Bildern
- Leinwand auf Keilrahmen, Holztafel oder Malpappe als Träger
- Farbe, die über die Bildkante auf den Rand der Leinwand reicht
Aquarell, Gouache und Zeichnung
Aquarelle werden mit wasserlöslichen, lasierenden Farben auf Papier gemalt. Die Farben wirken transparent, helle Stellen entstehen meist dadurch, dass das weiße Papier stehen gelassen wird. An den Rändern von Farbflächen sieht man oft feine Ränder, wo das Wasser getrocknet ist. Das Papier ist häufig leicht wellig oder hat eine fühlbare Struktur.
Die Gouache ist ebenfalls eine Wasserfarbe, deckt aber stärker und wirkt matter. Zeichnungen in Bleistift, Kohle, Rötel oder Tusche erkennen Sie am Strich, der sich unter der Lupe als Abrieb oder Linie mit unregelmäßigen Rändern zeigt. Arbeiten auf Papier sind lichtempfindlich und sollten nicht in der Sonne hängen oder aus dem Passepartout genommen werden.
Der Blick durch die Lupe: Kunstdruck erkennen
Die meisten Reproduktionen sind im Offsetverfahren gedruckt. Unter einer Lupe mit etwa zehnfacher Vergrößerung zeigt sich dann ein regelmäßiges Muster aus winzigen Farbpunkten. Ein handgemaltes Bild hat dieses Raster nicht. Moderne Digitaldrucke sind feiner, aber auch hier fehlt die echte Schichtung von Farbe.
Prüfen Sie am besten eine Stelle mit kräftiger Farbe und eine helle Fläche. Bei einem gemalten Bild sehen Sie unter der Lupe Farbschichten, Pinselhaare oder unregelmäßige Übergänge. Bei einem Druck liegen die Farbpunkte dagegen nebeneinander auf dem Papier oder der Leinwand, ohne Tiefe. Auch Leinwanddrucke, die auf einen Keilrahmen gespannt sind, verraten sich so. Hier lohnt zudem ein Blick auf die Kanten: Das Gewebe ist oft auffallend gleichmäßig und die Farbe sitzt nur auf der Oberfläche.
Weitere Hinweise auf einen Druck sind diese:
- ein gleichmäßiges Punkt- oder Rastermuster unter der Lupe
- eine völlig flache Oberfläche ohne Farbkanten
- eine Signatur, die ebenfalls gedruckt ist und kein Relief hat
- ein heller, unbemalter Rand um das Motiv
- Verlagsangaben oder Copyright-Vermerke am Bildrand
- dasselbe Motiv in identischer Form bei anderen Anbietern
Originalgrafik ist kein Kunstdruck
Ein Sonderfall ist die Originalgrafik. Radierungen, Kupferstiche, Lithografien, Holzschnitte oder Siebdrucke sind zwar gedruckt, werden aber vom Künstler selbst oder unter seiner Aufsicht hergestellt. Sie gelten deshalb als eigenständige Kunstwerke.
Typisch für eine Radierung oder einen Kupferstich ist der Plattenrand, also eine ins Papier gepresste Kante rund um das Motiv. Holzschnitte zeigen oft eine leicht ins Papier gedrückte Farbe und eine Holzmaserung. Viele Originalgrafiken des 20. Jahrhunderts sind mit Bleistift signiert und nummeriert, zum Beispiel 12/100 für das zwölfte Blatt einer Auflage von hundert. Vermerke wie e. a. oder E. A. stehen für Künstlerexemplare außerhalb der Auflage. Eine nur mitgedruckte Signatur ist dagegen kein Zeichen eigenhändiger Prüfung.
Technik unklar? So hilft Ihnen Ankauf Allerlei
Nicht jedes Bild lässt sich am Küchentisch eindeutig zuordnen, besonders wenn es unter Glas sitzt. Machen Sie einfach ein Foto vom ganzen Bild und eine Nahaufnahme einer Stelle mit Farbe oder Signatur, gern auch durch die Lupe. Diese Bilder senden Sie uns per WhatsApp, E-Mail oder Formular und erhalten eine unverbindliche Ersteinschätzung. Je mehr Blickwinkel Sie zeigen, desto sicherer wird die Einschätzung.
Auch Mappen mit Grafiken oder gemischte Konvolute aus Ölbildern, Drucken und Rahmen sehen wir uns gern als Ganzes an. Wir sagen Ihnen offen, welche Stücke für einen Ankauf in Frage kommen.
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Häufige Fragen
Ist ein Öldruck dasselbe wie ein Ölgemälde?
Nein. Als Öldruck bezeichnet man farbige Drucke, die seit dem 19. Jahrhundert hergestellt wurden und Ölgemälde nachahmen sollten. Sie sind oft gefirnisst und gerahmt wie ein Gemälde, haben aber keinen echten Pinselauftrag.
Was bedeutet die Zahl unten links auf meiner Grafik?
Eine Bruchzahl wie 25/150 gibt meist die Nummer des Blattes und die Höhe der Auflage an. Steht sie in Bleistift zusammen mit einer Bleistiftsignatur, handelt es sich in der Regel um eine vom Künstler freigegebene Auflage.
Soll ich ein Bild für die Prüfung aus dem Rahmen nehmen?
Davon raten wir ab. Beim Ausrahmen können Papier, Leinwand oder Rahmen beschädigt werden. Fotos von vorn, seitlich und von der Rückseite reichen für eine erste Einschätzung meist aus.
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