Ratgeber · Gemälde und Grafiken
Gemälde geerbt: Signatur und Künstler recherchieren
Viele Erben stehen vor einem Bild, das jahrzehntelang an derselben Wand hing, und wissen nicht, von wem es stammt. Die Signatur ist der wichtigste Ausgangspunkt für die Recherche. Mit etwas Geduld und den richtigen Quellen lässt sich oft schon zu Hause viel herausfinden.

Wo die Signatur zu finden ist
Die meisten Maler signieren in einer der unteren Ecken, häufig rechts. Manche Künstler setzen ihren Namen aber auch in eine obere Ecke, an den Bildrand oder versteckt in das Motiv, etwa auf einen Stein, eine Mauer oder ein Schild. Bei dunklen Ölbildern ist die Signatur unter einem nachgedunkelten Firnis manchmal kaum zu sehen. Ein Blick mit seitlichem Licht oder einer Taschenlampe im flachen Winkel hilft, Pinselzüge und Buchstaben sichtbar zu machen.
Signaturen haben viele Formen. Neben dem vollen Namen finden Sie Nachnamen mit Initiale, reine Monogramme aus verschlungenen Buchstaben oder ein Kürzel. Oft steht eine Jahreszahl daneben, manchmal auch ein Ortsname wie München, Düsseldorf oder Dresden. Diese Ortsangabe ist ein wertvoller Hinweis, weil sie auf den Wirkungsort oder die Ausbildungsstätte des Malers deuten kann.
Die Rückseite als Informationsquelle
Mindestens ebenso aufschlussreich wie die Vorderseite ist die Rückseite. Drehen Sie das Bild vorsichtig um und schauen Sie sich Keilrahmen, Leinwand und Rahmen genau an. Hier finden sich oft Spuren, die etwas über die Geschichte des Bildes erzählen.
Nehmen Sie das Bild dabei nicht aus dem Rahmen und entfernen Sie keine Aufkleber oder Papiere. Auch alte, eingerissene Etiketten sind wichtig, weil sie die Herkunft belegen können.
- Aufkleber von Galerien oder Kunsthandlungen
- Etiketten von Ausstellungen oder Kunstvereinen
- Stempel von Leinwand- oder Malbedarfshändlern
- handschriftliche Titel, Widmungen oder Namen
- Etiketten von Rahmenmachern oder Vergoldern
- Nummern oder Zettel aus früheren Auktionen
So recherchieren Sie den Künstler
Sobald Sie einen Namen entziffert haben, beginnt die eigentliche Suche. Eine einfache Internetsuche mit Namen und dem Zusatz Maler oder Gemälde bringt oft erste Treffer. Hilfreich sind auch Einträge in Künstlerlexika. Bekannte Nachschlagewerke sind das Allgemeine Künstlerlexikon, der ältere Thieme-Becker und für die internationale Kunst der Bénézit. Viele Bibliotheken bieten Zugang zu diesen Werken.
Für Monogramme gibt es eigene Monogrammlexika, in denen Zeichen nach Buchstaben sortiert sind. Zusätzlich lohnt ein Blick in die Online-Archive von Auktionshäusern. Dort sehen Sie, ob Werke des Künstlers schon angeboten wurden, welche Motive typisch sind und wie seine Signatur auf anderen Bildern aussieht. Ein Vergleich der Handschrift ist oft aufschlussreicher als der Name allein.
Folgende Quellen haben sich für die Suche nach einem Künstlernamen bewährt:
Notieren Sie alles, was Sie finden, zusammen mit der Quelle. So entsteht nach und nach eine kleine Akte zu Ihrem Bild, die jede spätere Bewertung erleichtert.
- Künstlerlexika wie das Allgemeine Künstlerlexikon oder der Thieme-Becker
- Monogrammlexika für Zeichen und Kürzel
- Online-Archive von Auktionshäusern mit Abbildungen
- Kataloge regionaler Museen und Kunstvereine
- Heimatvereine und Stadtarchive bei Malern aus der Region
- Werkverzeichnisse bekannter Künstler
Was eine Signatur aussagt und was nicht
Eine Signatur ist ein Hinweis, aber kein Beweis. Auf dem Kunstmarkt gibt es Kopien nach berühmten Vorbildern, Schülerarbeiten und Bilder, die später mit einem bekannteren Namen versehen wurden. Wirkt eine Signatur auffallend frisch, liegt sie auf dem Firnis statt in der Malschicht oder passt der Stil nicht zum Künstler, ist Vorsicht angebracht.
Umgekehrt sind viele unsignierte Bilder durchaus von Interesse. Gerade ältere Werke wurden nicht immer signiert, und auch eine gute Arbeit eines unbekannten Malers kann Käufer finden. Entscheidend ist am Ende das Zusammenspiel aus Qualität, Motiv, Zustand und Zuschreibung. Bei Werken, die einem bedeutenden Künstler zugeschrieben werden, ist eine Prüfung durch Fachleute oder ein Werkverzeichnis der richtige Weg.
Ein weiterer Punkt ist die Bildgattung. Landschaften, Stillleben, Porträts und Genreszenen werden sehr unterschiedlich nachgefragt. Ansichten bekannter Orte oder Regionen finden oft gerade dort Liebhaber, wo das Motiv zu Hause ist. Auch das sollten Sie bei Ihrer Recherche im Hinterkopf behalten, denn ein regional bekannter Maler kann vor Ort mehr Interesse wecken als ein Name, der überregional kaum auftaucht.
Ihr geerbtes Bild bei Ankauf Allerlei anbieten
Sie müssen die Recherche nicht vollständig abschließen, bevor Sie sich melden. Schicken Sie uns Fotos der Vorderseite, der Signatur und der Rückseite per WhatsApp, E-Mail oder über das Formular. Was Sie bereits herausgefunden haben, geben Sie einfach mit an. Wir verschaffen uns daraufhin einen ersten Eindruck und geben Ihnen eine unverbindliche Ersteinschätzung.
Bei mehreren Bildern oder einem ganzen Haushalt kommen wir gern vor Ort vorbei. Wir erklären Ihnen, wie wir zu unserem Angebot kommen, und zahlen auf Wunsch direkt bar.
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Häufige Fragen
Ich kann die Signatur nicht entziffern. Was nun?
Fotografieren Sie die Signatur aus der Nähe und bei seitlichem Licht. Oft hilft es, die Buchstaben einzeln abzuschreiben und Varianten im Internet oder in Monogrammlexika zu vergleichen. Sie können uns das Foto aber auch einfach mitschicken.
Darf ich alte Aufkleber auf der Rückseite entfernen?
Nein, bitte lassen Sie alle Etiketten, Stempel und Notizen, wo sie sind. Sie können die Herkunft eines Bildes belegen und sind für die Bewertung wichtig. Auch beschädigte Aufkleber sollten Sie nicht abziehen.
Ist ein Bild ohne Signatur automatisch wertlos?
Nein. Viele Gemälde, besonders ältere, tragen keine Signatur. Qualität, Motiv, Alter und Zustand spielen ebenfalls eine große Rolle und können ein unsigniertes Bild für Käufer interessant machen.
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