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Alte Geige auf dem Dachboden gefunden: Zettel und Wert

Eine alte Geige im Koffer auf dem Dachboden weckt schnell große Hoffnungen, vor allem wenn innen ein Zettel mit dem Namen Stradivarius klebt. Die Wirklichkeit ist meist nüchterner, aber nicht uninteressant. Wir erklären, was der Zettel aussagt und worauf es bei der Einschätzung wirklich ankommt.

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Erst einmal: nichts verändern

Wenn Sie eine alte Geige finden, lassen Sie sie zunächst so, wie sie ist. Spannen Sie lockere Saiten nicht nach und versuchen Sie nicht, das Instrument zu stimmen. Im Inneren steht ein kleiner Holzstab, der Stimmstock, der nur durch den Druck der Saiten gehalten wird. Verändert man die Spannung, kann er umfallen, und bei alten, trockenen Instrumenten kann zu viel Zug sogar Risse verursachen.

Verzichten Sie auch auf Möbelpolitur, Kleber oder Reinigungsmittel. Der alte Lack ist ein wichtiges Merkmal für die Bewertung. Ein weiches, trockenes Tuch, mit dem Sie losen Staub entfernen, genügt völlig.

Was der Zettel im Inneren verrät

Durch das linke f-Loch sehen Sie bei vielen Geigen einen gedruckten oder handschriftlichen Zettel. Er nennt oft einen berühmten Namen, einen Ort und eine Jahreszahl auf Latein. Typische Formulierungen und ihre Bedeutung:

  • Antonius Stradiuarius Cremonensis Faciebat Anno 17..: der häufigste Zettel überhaupt, fast immer auf Kopien
  • Joseph Guarnerius, Jacobus Stainer oder Nicolaus Amati: ebenfalls berühmte Vorbilder, die oft kopiert wurden
  • Copy of oder nach: ein ehrlicher Hinweis, dass ein Modell nachgebaut wurde
  • Made in Germany, Saxony oder Czechoslovakia: deutet auf eine Herstellung frühestens im späten 19. Jahrhundert hin
  • Name eines Geigenbauers mit Ort und Jahr: kann echt sein, sollte aber zur Bauweise passen
  • Kein Zettel: kein schlechtes Zeichen, auch gute Geigen haben oft keinen

Woher die meisten alten Geigen stammen

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden Geigen in großen Stückzahlen hergestellt, vor allem im sächsischen Vogtland rund um Markneukirchen, im benachbarten böhmischen Schönbach, im bayerischen Mittenwald und im französischen Mirecourt. Dort arbeiteten viele Handwerker in Arbeitsteilung, und die Instrumente wurden in die ganze Welt verkauft. Sie erhielten häufig Zettel berühmter italienischer Meister, die als Modellangabe gemeint waren, nicht als Täuschung.

Die Qualität dieser Geigen reicht von einfachen Schülerinstrumenten bis zu sehr ordentlichen Meisterarbeiten. Auch eine Geige mit Stradivari-Zettel kann daher ein gut klingendes und gesuchtes Instrument sein. Ihr Wert ergibt sich dann aus Handwerk und Zustand, nicht aus dem Namen auf dem Zettel. Manche Werkstätten haben ihre Instrumente zusätzlich mit einem Brandstempel versehen, etwa innen am Boden oder außen am Knöpfchen unten am Instrument.

Merkmale, die über die Qualität Auskunft geben

Fachleute beurteilen eine Geige als Ganzes. Einige Hinweise können Sie aber selbst erkennen:

  • Randeinlagen: eingelegte Adern sprechen für Handarbeit, aufgemalte Linien eher für einfache Ware
  • Holz: deutlich geflammter Ahorn am Boden ist oft ein Zeichen für höheren Aufwand
  • Schnecke: sauber und gleichmäßig geschnitzt oder eher grob
  • Lack: lebendig und transparent oder dick und gleichförmig
  • Größe: ganze Geigen sind gefragter als Kindergrößen wie 1/2 oder 3/4
  • Schäden: Risse in der Decke, lose Leimfugen, Wurmlöcher oder frühere Reparaturen

Der Bogen kann mehr wert sein als gedacht

Bei der Bewertung wird der Bogen oft übersehen. Gute Bögen wurden aus Fernambukholz gefertigt und tragen manchmal einen Brandstempel des Herstellers an der Stange, kurz vor dem Frosch. Garnituren aus Silber oder sogar Gold deuten auf einen hochwertigen Bogen hin, während Neusilber bei einfacheren Modellen üblich ist. Lassen Sie den Bogen in jedem Fall bei der Geige, auch wenn die Behaarung fehlt oder abgenutzt ist.

Auch der Koffer verdient einen Blick. Alte Holzkoffer mit Samtausschlag, Fächer mit Kolophonium, Ersatzsaiten oder Rechnungen eines Geigenbauers liefern manchmal wertvolle Hinweise auf die Geschichte des Instruments.

So bieten Sie die Geige bei Ankauf Allerlei an

Fotografieren Sie die Geige von vorn, von hinten und von der Seite, dazu die Schnecke und den Zettel durch das f-Loch. Eine kleine Taschenlampe hilft dabei, den Zettel lesbar zu machen. Vom Bogen genügen ein Gesamtbild und eine Nahaufnahme der Stange am Frosch. Die Bilder schicken Sie uns per WhatsApp, E-Mail oder Formular, und wir melden uns mit einer ersten Einschätzung. Stammt die Geige aus einem Nachlass, sehen wir sie uns gern vor Ort zusammen mit den übrigen Stücken an.

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Häufige Fragen

Meine Geige hat einen Stradivarius-Zettel. Ist sie echt?

Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht. Solche Zettel wurden in Millionen von Kopien eingeklebt und waren als Modellangabe gedacht. Trotzdem kann die Geige als gutes Handwerksinstrument einen Wert haben.

Soll ich die Geige vor dem Verkauf reparieren lassen?

In der Regel nicht. Eine fachgerechte Reparatur ist teuer und lohnt sich nur bei wertvollen Instrumenten. Wir bewerten die Geige im jetzigen Zustand und berücksichtigen den Reparaturbedarf.

Was ist eine Kindergeige wert?

Geigen in Größen wie 1/4, 1/2 oder 3/4 sind meist einfache Schülerinstrumente mit überschaubarem Wert. Es gibt aber Ausnahmen, etwa gut gebaute ältere Stücke. Ein Foto mit Zettel und Maßen hilft bei der Einschätzung.

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