Ratgeber · Taschenuhren und alte Uhren
Gold- oder Silbertaschenuhr? Punzen im Deckel richtig lesen
Im Deckel einer Taschenuhr finden sich oft kleine Zahlen, Buchstaben und Symbole. Diese Punzen verraten viel über das Gehäusematerial, manchmal auch über Herkunft und Alter. Wer sie lesen kann, erkennt schnell, ob es sich um eine Gold- oder Silberuhr handelt oder um ein Gehäuse mit Goldauflage.
Wo sich die Punzen befinden
Punzen sind meist auf der Innenseite des Rückdeckels eingeschlagen, häufig auch auf dem Staubdeckel, dem Sprungdeckel oder am Gehäuserand. Bei manchen Uhren steht zusätzlich eine Gehäusenummer daneben. Um sie gut zu erkennen, brauchen Sie helles Licht und am besten eine Lupe, denn die Stempel sind oft sehr klein und mit der Zeit abgerieben.
Öffnen Sie den Deckel vorsichtig. Bei Sprungdeckeluhren genügt meist ein Druck auf die Krone. Rückdeckel, die nur mit einem Fingernagel an einer kleinen Kerbe aufgehen, sollten Sie nicht mit Werkzeug aufhebeln. Wenn es klemmt, ist ein Foto des geschlossenen Gehäuses für die Ersteinschätzung völlig ausreichend.
Feingehaltsangaben bei Gold
Bei Gold wird angegeben, wie viele Teile von Tausend reines Gold sind, oder es wird die Karatzahl genannt. Typische Angaben auf Taschenuhrgehäusen sind:
- 585 oder 0,585: entspricht 14 Karat.
- 750 oder 0,750: entspricht 18 Karat.
- 14K, 14C, 18K oder 18C: Karatangaben, C steht für die französische Schreibweise carat.
- 333 oder 8K: geringerer Goldanteil, bei Taschenuhren eher selten.
- Sonne und Reichskrone: amtliche Zeichen für Gold auf deutschen Gehäusen aus der Kaiserzeit, jeweils zusammen mit dem Feingehalt.
Feingehaltsangaben bei Silber
Silbergehäuse sind bei Taschenuhren sehr verbreitet. Häufig finden sich die Zahlen 800, 0,800 oder 0,935, seltener 925 für Sterlingsilber. Deutsche Silbergehäuse aus der Zeit nach Einführung des Reichsgesetzes über den Feingehalt tragen oft einen Halbmond und die Reichskrone neben der Feingehaltszahl.
Schweizer Gehäuse aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zeigen häufig amtliche Kontrollzeichen in Form kleiner Tiere oder Köpfe, etwa einen Bären, ein Eichhörnchen oder einen Helvetia-Kopf. Englische Gehäuse tragen ein System aus mehreren Stempeln, darunter das Zeichen der Prüfstelle und einen Jahresbuchstaben. Für eine erste Einordnung genügt es, diese Zeichen gut zu fotografieren; die genaue Deutung übernimmt dann jemand mit Fachkenntnis.
Vorsicht bei Doublé, Gold Filled und ähnlichen Angaben
Viele Taschenuhren sehen golden aus, ohne aus massivem Gold zu bestehen. Hier wurde ein unedles Grundmetall mit einer Goldschicht überzogen. Solche Gehäuse tragen eigene Bezeichnungen, die man leicht mit einer Goldpunze verwechselt, weil darin oft ebenfalls Zahlen oder Karatangaben vorkommen.
Typische Hinweise sind Begriffe wie Doublé, Double, Plaqué, Gold Filled oder Rolled Gold. Amerikanische Gehäuse tragen manchmal den Hinweis Warranted mit einer Jahreszahl, etwa für zehn oder zwanzig Jahre. Diese Angabe bezog sich auf die Haltbarkeit der Goldauflage, nicht auf den Feingehalt. Auch Bezeichnungen wie Métal, Nickel, Acier oder Argentan weisen auf ein Gehäuse ohne Edelmetall hin. Ein solches Gehäuse ist nicht wertlos, denn auch hier können Werk und Hersteller interessant sein.
Was Punzen nicht verraten
Eine Punze sagt etwas über das Material, aber wenig über die Qualität der Uhr insgesamt. Ein schweres Goldgehäuse kann ein einfaches Werk enthalten, während ein schlichtes Silbergehäuse ein sehr feines Werk schützt. Außerdem wurden Gehäuse gelegentlich ausgetauscht, sodass Gehäuse und Werk nicht zwingend zusammengehören.
Hinzu kommt, dass Punzen auch gefälscht oder missverständlich angebracht wurden. Eine Zahl allein ist deshalb noch kein Beweis. Bei Gold prüft man im Zweifel zusätzlich mit geeigneten Methoden, ohne das Gehäuse zu beschädigen. Neben den Stempeln liefern auch andere Merkmale Anhaltspunkte:
- Gewicht: Massive Goldgehäuse wirken deutlich schwerer als vergoldete.
- Abrieb an Kanten: Schimmert an stark beanspruchten Stellen ein anderes Metall durch, spricht das für eine Auflage.
- Farbe: Silber läuft dunkel an, Nickel und Stahl bleiben eher grau.
- Verarbeitung: Saubere Scharniere und fein gearbeitete Deckel deuten auf ein hochwertiges Gehäuse hin.
- Gehäusenummer: Stimmt sie an mehreren Deckeln überein, gehören die Teile vermutlich zusammen.
Fotos der Punzen schicken und Angebot erhalten
Sie müssen die Zeichen nicht selbst entschlüsseln. Fotografieren Sie den geöffneten Deckel bei gutem Licht so, dass die Stempel scharf zu sehen sind, und schicken Sie uns die Bilder zusammen mit einer Ansicht von Zifferblatt und Gehäuse. Wir sagen Ihnen anhand der Fotos unverbindlich, um welches Material es sich wahrscheinlich handelt und wie wir die Uhr einordnen.
Möchten Sie verkaufen, können Sie die Uhr per Paket einsenden oder einen Termin vor Ort vereinbaren. Wir begründen unser Angebot nachvollziehbar, also auch, welchen Anteil das Gehäuse und welchen das Werk ausmacht. Bei einem Termin zahlen wir auf Wunsch direkt bar.
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Häufige Fragen
Bedeutet die Angabe 14K immer massives Gold?
Nicht unbedingt. Steht 14K zusammen mit Begriffen wie Gold Filled, Rolled Gold oder Doublé, handelt es sich um eine Goldauflage. Entscheidend ist der gesamte Stempeltext, nicht nur die Zahl.
Meine Uhr hat gar keine Punze. Ist sie dann wertlos?
Nein. Viele Gehäuse aus unedlem Metall tragen keine Feingehaltsangabe, und manche Stempel sind schlicht abgerieben. Ob die Uhr interessant ist, hängt dann vor allem von Werk, Hersteller und Zustand ab.
Ist eine Silbertaschenuhr nur nach Silbergewicht zu bewerten?
Bei einfachen Uhren spielt das Silbergewicht eine Rolle, doch meist ist es nicht der einzige Faktor. Ein gutes Werk, ein bekannter Hersteller oder eine schöne Gehäuseverzierung können den Wert deutlich beeinflussen.
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