Ratgeber · Taschenuhren und alte Uhren
Taschenuhr geerbt: Was ist sie wert?
Eine Taschenuhr gehört zu den Erbstücken, die besonders oft in Schubladen und Schmuckkästchen auftauchen. Ob sie vor allem Erinnerungswert hat oder auch für Sammler interessant ist, lässt sich mit etwas Hintergrundwissen recht gut eingrenzen. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, worauf es bei der Einschätzung ankommt.

Warum Taschenuhren so häufig vererbt werden
Bis weit ins 20. Jahrhundert war die Taschenuhr ein wichtiger Gebrauchsgegenstand und zugleich ein Statussymbol. Sie wurde zur Konfirmation, zur Hochzeit oder zum Dienstjubiläum verschenkt und dann innerhalb der Familie weitergegeben. Erst als sich die Armbanduhr nach dem Ersten Weltkrieg durchsetzte, verschwand die Taschenuhr allmählich aus dem Alltag.
Deshalb gibt es heute sehr viele Taschenuhren, und ihr Wert reicht von bescheiden bis beachtlich. Eine einfache Uhr mit Gehäuse aus unedlem Metall ist häufig vor allem ein schönes Andenken. Eine Uhr mit Goldgehäuse, einem hochwertigen Werk oder einer besonderen Funktion kann dagegen für Sammler und Händler deutlich interessanter sein.
Die vier wichtigsten Wertfaktoren
Bei jeder Taschenuhr betrachtet man im Grunde dieselben Punkte. Keiner davon entscheidet allein, erst das Zusammenspiel ergibt ein realistisches Bild.
- Gehäusematerial: Gold, Silber oder unedles Metall wie Nickel, Stahl oder vergoldetes Messing.
- Hersteller und Werk: Eine Signatur auf Zifferblatt oder Werk, die Verarbeitung und die Art der Hemmung.
- Zustand: Zifferblatt ohne Haarrisse, originale Zeiger, intaktes Glas, Gehäuse ohne tiefe Dellen.
- Besonderheiten: Komplikationen wie Repetition, Chronograph oder Kalender, aber auch seltene Gehäuseformen.
- Vollständigkeit: Originale Kette, Schlüssel, Etui oder Papiere runden ein Stück ab.
Bauart erkennen: Lépine oder Savonnette
Ein erster Blick verrät die Bauart. Bei einer Lépine ist das Zifferblatt offen und nur durch das Glas geschützt; die Krone sitzt in der Regel bei 12 Uhr. Bei einer Savonnette, auch Sprungdeckeluhr genannt, schützt ein zusätzlicher Metalldeckel das Glas. Drückt man auf die Krone, springt der Deckel auf. Hier sitzt die Krone meist bei 3 Uhr.
Auch die Art des Aufzugs gibt Hinweise auf das Alter. Ältere Uhren werden mit einem kleinen Schlüssel aufgezogen und gestellt, spätere Modelle über die Krone. Uhren mit Schlüsselaufzug stammen häufig aus dem 19. Jahrhundert. Das allein macht sie aber noch nicht wertvoll, denn auch damals wurden einfache Uhren in großer Zahl gefertigt.
Hersteller und Werk als Qualitätsmerkmal
Hinter dem Rückdeckel befindet sich oft ein zweiter, innerer Deckel, der sogenannte Staubdeckel oder die Cuvette. Darauf sind manchmal Herstellername, Auszeichnungen oder eine Widmung eingraviert. Darunter liegt das Werk. Hochwertige Werke erkennt man an sauber gearbeiteten Brücken, Zierschliffen, gebläuten Schrauben und Lagersteinen, die als kleine rote Punkte sichtbar sind.
Zu den bekannten Namen zählen etwa A. Lange & Söhne und andere Glashütter Hersteller, Patek Philippe, IWC, Longines, Omega oder Zenith. Daneben gibt es viele solide Uhren kleinerer Fabriken und Uhrmacher, die zwar weniger bekannt, aber ordentlich gefertigt sind. Vorsicht ist bei sehr prominenten Namen geboten, denn gerade berühmte Marken wurden auch nachgeahmt. Ob Signatur, Werk und Gehäuse zusammenpassen, sollte jemand mit Erfahrung beurteilen.
Was Sie vor einer Einschätzung tun und lassen sollten
Mit wenigen einfachen Schritten bereiten Sie die Uhr gut für eine Einschätzung vor, ohne ihr zu schaden. Wichtig ist vor allem, nichts zu verändern, was sich später nicht rückgängig machen lässt.
- Die Uhr nicht polieren und keine Gravuren entfernen, auch wenn sie abgenutzt aussehen.
- Den Deckel nur öffnen, wenn er sich leicht bewegen lässt; niemals mit Messern hebeln.
- Eine stehende Uhr nicht mit Gewalt aufziehen, sondern so lassen, wie sie ist.
- Zifferblatt, Rückseite, geöffnete Deckel und gegebenenfalls das Werk fotografieren.
- Kette, Schlüssel, Etui und alte Rechnungen zusammen mit der Uhr aufbewahren.
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Wenn Sie wissen möchten, was in Ihrer Taschenuhr steckt, senden Sie uns einfach einige Fotos per WhatsApp, E-Mail oder über das Formular. Wir geben Ihnen darauf eine unverbindliche Ersteinschätzung und erklären, welche Merkmale wir gesehen haben. Gerade bei Erbstücken ist es vielen Familien wichtig zu verstehen, wie ein Angebot zustande kommt.
Sie können die Uhr auch gut verpackt per Paket schicken; legen Sie dann einen Zettel mit Name, Telefonnummer und Bankverbindung bei. Wir sichten die Uhr und melden uns mit einem Angebot. Sagt es Ihnen zu, überweisen wir den Betrag, andernfalls senden wir die Uhr auf unsere Kosten zurück. Befinden sich im Nachlass weitere Uhren oder Schmuck, kommen wir auf Wunsch auch zu Ihnen und zahlen vor Ort in bar.
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Häufige Fragen
Ist eine Taschenuhr mit Widmung weniger wert?
Eine Gravur oder Widmung mindert den Wert meist nur wenig und gehört zur Geschichte der Uhr. Manche Sammler schätzen sogar persönliche oder historische Inschriften. Lassen Sie eine Gravur daher keinesfalls entfernen.
Woran erkenne ich, ob meine Taschenuhr aus Gold ist?
Hinweise geben Punzen im Deckel, etwa Zahlen wie 585 oder 750 oder Karatangaben wie 14K. Allerdings tragen auch vergoldete Gehäuse Beschriftungen, die leicht verwechselt werden. Im Zweifel hilft eine Prüfung durch jemanden mit Erfahrung.
Sollte ich die Uhr vor dem Verkauf reparieren lassen?
In den meisten Fällen nicht. Eine Revision kostet Geld, und unsachgemäße Reparaturen können den Wert sogar verringern. Für Ankäufer ist der ursprüngliche Zustand oft aufschlussreicher.
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