Ratgeber · Kunst und Designerstücke
Original oder Nachbau? Labels und Merkmale bei Designmöbeln
Bekannte Designmöbel werden seit Jahrzehnten kopiert, teils sehr grob, teils täuschend ähnlich. Für den Wert macht es aber einen großen Unterschied, ob ein Stück vom lizenzierten Hersteller stammt oder ein Nachbau ist. Hier erfahren Sie, worauf Sie achten können, bevor Sie ein Möbel anbieten.

Warum es so viele Nachbauten gibt
Klassische Entwürfe wie Stahlrohrsessel, Schalenstühle oder Liegen sind seit langer Zeit beliebt und wurden entsprechend oft nachgeahmt. Manche Nachbauten entstanden schon zur Entstehungszeit der Originale, andere werden bis heute als günstige Repliken verkauft.
Hinzu kommt, dass ein Entwurf im Laufe der Zeit von unterschiedlichen Herstellern gefertigt worden sein kann. Ein Stück ohne bekanntes Label ist also nicht automatisch eine Fälschung. Umgekehrt beweist eine ähnliche Form allein noch kein Original.
Für Sammler und Käufer ist entscheidend, ob ein Möbel vom Hersteller stammt, der den Entwurf in Lizenz oder im Auftrag des Gestalters gefertigt hat. Solche Stücke werden in der Regel deutlich höher bewertet als Nachbauten, auch wenn beide im Alltag ähnlich aussehen.
Labels, Prägungen und Stempel
Die wichtigste Spur sind Kennzeichnungen des Herstellers. Sie sitzen meist an Stellen, die man im Gebrauch nicht sieht. Schauen Sie gründlich nach, bevor Sie Fotos machen, und lassen Sie vorhandene Etiketten unbedingt am Möbel.
Nicht jedes Original trägt alle diese Merkmale. Etiketten können sich über die Jahre lösen oder bei Reparaturen entfernt worden sein. Umgekehrt gibt es Nachbauten mit nachträglich aufgeklebten Etiketten. Ein Label ist daher ein wichtiger Hinweis, aber immer zusammen mit Material und Verarbeitung zu betrachten.
Fotografieren Sie jede gefundene Kennzeichnung gerade von vorn und bei gutem Licht. Auch schwer lesbare oder beschädigte Etiketten sind hilfreich, weil schon Teile eines Schriftzugs oder eine bestimmte Gestaltung Rückschlüsse auf Hersteller und Zeitraum zulassen.
- Aufkleber oder Papieretiketten unter der Sitzfläche oder an der Rückseite
- Eingeprägte Herstellernamen oder Logos in Kunststoffschalen
- Metallplaketten an Gestellen oder Rahmen
- Stempel oder Brandzeichen im Holz
- Nummerierte Plaketten bei limitierten Editionen
- Produktionsdaten, die bei manchen Herstellern in Kunststoffteile eingegossen sind
Material und Verarbeitung vergleichen
Auch ohne Label verrät die Verarbeitung viel. Originale lizenzierter Hersteller sind in der Regel sorgfältig gefertigt. Schweißnähte sind sauber verschliffen, verchromte Oberflächen gleichmäßig, Lederbezüge sauber vernäht und Holzfurniere gut verarbeitet.
Nachbauten erkennt man häufig an Abweichungen in den Proportionen. Eine Sitzschale ist etwas flacher, ein Gestell dünner, ein Rohr hat einen anderen Durchmesser oder die Armlehnen sitzen anders. Solche Unterschiede fallen oft erst im direkten Vergleich mit Bildern des Originals auf. Auch das Gewicht kann ein Hinweis sein, weil bei Repliken gern an Material gespart wird.
Schauen Sie sich auch die Rückseiten und Unterseiten an. Hersteller von Originalen achten meist auch an verdeckten Stellen auf eine saubere Ausführung, während bei einfachen Repliken dort häufig gespart wird. Gleiten, Kappen und Schrauben sind weitere Details, die sich mit Fotos des Originals vergleichen lassen.
Typische Warnzeichen
Die folgenden Punkte beweisen nicht sicher, dass es sich um einen Nachbau handelt. Sie sind aber ein Anlass, genauer hinzusehen:
- Bezeichnungen wie „im Stil von“ oder „nach einem Entwurf von“ auf alten Rechnungen
- Auffällig dünnes Leder oder Kunstleder statt Leder bei Sesseln, die im Original mit Leder bezogen sind
- Fehlende Bauteile oder Verbindungen, die beim Original vorhanden sind
- Schrauben und Beschläge, die nicht zur Qualität des übrigen Möbels passen
- Ein Kaufpreis, der schon damals weit unter dem üblichen Neupreis lag
Belege und Herkunft sammeln
Rechnungen, Kataloge, Prospekte oder Fotos aus der Entstehungszeit helfen bei der Einordnung. Fragen Sie in der Familie nach, wo und wann ein Möbel gekauft wurde. Eine Angabe wie „vom Einrichtungshaus in den Siebzigern“ ist zwar kein Beweis, gibt aber eine Richtung vor.
Ersetzte Teile sollten Sie offen benennen. Ein neu bezogener Sessel oder ein ausgetauschtes Gestell mindert die Originalität, kann aber trotzdem verkäuflich sein. Transparenz erleichtert eine faire Bewertung.
Fotografieren Sie Rechnungen und Unterlagen zusammen mit dem Möbel. So lässt sich später nachvollziehen, welches Dokument zu welchem Stück gehört, besonders wenn mehrere Möbel aus einem Haushalt angeboten werden.
Prüfung durch Ankauf Allerlei
Sie müssen die Frage nach Original oder Nachbau nicht selbst klären. Schicken Sie uns Fotos der Gesamtansicht, der Unterseite und aller gefundenen Kennzeichnungen. Wir sagen Ihnen unverbindlich, wie wir das Stück einschätzen und ob sich eine genauere Prüfung lohnt.
Bei einem Termin vor Ort sehen wir uns Material, Verbindungen und Labels direkt an und erklären Ihnen, was für ein Original spricht und was dagegen. Auf dieser Grundlage machen wir Ihnen ein nachvollziehbares Angebot.
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Häufige Fragen
Kaufen Sie auch Nachbauten an?
Gut verarbeitete Nachbauten haben einen deutlich geringeren Wert als Originale, sind aber nicht in jedem Fall unverkäuflich. Ob wir ein Angebot machen können, hängt von Qualität und Zustand ab. Wir sagen Ihnen das offen nach Ansicht der Fotos.
Das Etikett ist abgefallen. Ist das Möbel jetzt wertlos?
Nein. Ein fehlendes Etikett erschwert die Zuordnung, aber Bauweise, Material und Details lassen oft trotzdem Rückschlüsse zu. Bewahren Sie ein abgelöstes Etikett auf und legen Sie es beim Verkauf dazu.
Sollte ich einen abgenutzten Bezug vor dem Verkauf erneuern lassen?
Davon raten wir eher ab. Ein neuer Bezug kostet Geld und wird von Sammlern nicht immer höher bewertet als ein originaler Bezug mit Gebrauchsspuren. Sprechen Sie uns vorher an, dann schätzen wir ein, was im Einzelfall sinnvoll ist.
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