Ratgeber · Kunst und Designerstücke
Designklassiker erkennen: Vitra, Eames, Panton und Co.
Viele Wohnungen und Büros der Nachkriegszeit waren mit Möbeln eingerichtet, die heute als Designklassiker gelten. Oft weiß niemand mehr, dass der Stuhl im Keller oder der Sessel im Arbeitszimmer ein bekannter Entwurf ist. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, welche Namen dahinterstehen und woran Sie solche Stücke im Alltag erkennen.

Was einen Designklassiker ausmacht
Als Designklassiker bezeichnet man Möbel, Leuchten und Objekte, deren Entwurf über Jahrzehnte gefragt geblieben ist. Meist stammen sie von Gestaltern, die mit neuen Materialien und Formen gearbeitet haben, etwa mit Formsperrholz, Stahlrohr, Kunststoff oder Fiberglas. Viele dieser Entwürfe werden bis heute in Lizenz hergestellt.
Für den Wert ist deshalb nicht nur der Entwurf wichtig, sondern auch, von welchem Hersteller und aus welcher Zeit ein Stück stammt. Ein früh gefertigtes Exemplar kann für Sammler interessanter sein als eine aktuelle Produktion desselben Modells.
Viele Klassiker gibt es in mehreren Varianten, etwa mit verschiedenen Gestellen, Bezügen oder Farben. Manche Ausführungen wurden nur wenige Jahre angeboten und sind heute seltener als andere. Deshalb lohnt es sich, nicht nur den Namen des Entwurfs zu kennen, sondern auch die genaue Ausführung festzuhalten.
Charles und Ray Eames: Schalenstühle und Lounge Chair
Das amerikanische Ehepaar Charles und Ray Eames gehört zu den einflussreichsten Gestaltern des 20. Jahrhunderts. Ihre Möbel wurden in den USA von Herman Miller produziert, für den europäischen Markt übernahm Vitra die Lizenz. Bekannt sind vor allem die Schalenstühle aus Kunststoff oder Fiberglas, die auf verschiedenen Untergestellen angeboten wurden, sowie der Lounge Chair mit Ottoman aus Formholz und Leder.
Typisch für die Eames-Schalenstühle sind die geschwungene Sitzschale aus einem Stück und die sichtbaren Befestigungspunkte, an denen das Gestell montiert ist. Beim Lounge Chair fallen die drei Holzschalen für Sitz, Rücken und Kopfteil auf, die über Metallverbindungen zusammengehalten werden.
Verner Panton und der Freischwinger aus Kunststoff
Der dänische Designer Verner Panton entwarf den nach ihm benannten Panton Chair, einen Freischwinger, der aus einem einzigen Stück Kunststoff besteht und ohne Hinterbeine auskommt. Der Stuhl wurde über die Jahrzehnte aus unterschiedlichen Kunststoffen gefertigt. Frühe Ausführungen sind bei Sammlern besonders gefragt, die heutige Serienproduktion stammt von Vitra.
Neben dem Stuhl sind von Panton auch Leuchten, Teppiche und Wohnlandschaften in kräftigen Farben bekannt. Wer Räume aus den späten 1960er- und 1970er-Jahren auflöst, stößt nicht selten auf solche Stücke.
Weitere Namen, die Sie kennen sollten
Neben Eames und Panton gibt es eine Reihe weiterer Gestalter und Hersteller, deren Möbel regelmäßig gesucht werden. Die folgende Übersicht hilft bei einer ersten Einordnung:
- Arne Jacobsen: Stuhlserie 7, Ameise sowie die Sessel Ei und Schwan, hergestellt von Fritz Hansen
- Marcel Breuer: Stahlrohrmöbel wie der Sessel Wassily und der Freischwinger Cesca
- Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand: Sessel und Liegen aus Stahlrohr, heute von Cassina gefertigt
- Eero Saarinen: Tulip-Stuhl und Tulip-Tisch mit Tellerfuß, produziert von Knoll
- Dieter Rams: Regalsystem 606 und Sessel 620 für Vitsœ
- USM Haller: modulares Möbelsystem aus verchromten Rohren und Blechen
Erste Hinweise im Alltag
Ohne Fachwissen lässt sich ein Designklassiker oft schon an einigen Merkmalen vermuten. Drehen Sie Stühle um, schauen Sie unter Sitzflächen und an die Rückseiten von Gestellen. Viele Hersteller haben dort Etiketten, Prägungen oder Stempel angebracht. Die Übersicht unten nennt Stellen, an denen sich die Suche bewährt hat.
Achten Sie außerdem auf die Verarbeitung. Massives Material, saubere Schweißnähte, hochwertige Beschläge und ein schweres Gewicht sprechen eher für ein Markenprodukt als für ein günstiges Möbelhausmodell. Eine sichere Bestimmung ersetzt das allerdings nicht, denn gerade bekannte Entwürfe wurden häufig nachgebaut.
Halten Sie auch fest, was Sie über die Herkunft wissen. Wurde das Möbel neu gekauft, aus einem Büro übernommen oder geerbt? Solche Angaben helfen bei der Einordnung oft mehr, als man zunächst denkt.
- Unterseite von Sitzschalen und Sitzflächen
- Innenseiten von Gestellen, Rahmen und Füßen
- Rückseiten von Lehnen und Polstern
- Sockel und Fußplatten von Leuchten
- Beiliegende Unterlagen wie Rechnungen, Prospekte oder Pflegehinweise
Ihren Designklassiker bei Ankauf Allerlei anbieten
Wenn Sie vermuten, einen bekannten Entwurf zu besitzen, schicken Sie uns am besten Fotos per WhatsApp, E-Mail oder über das Formular. Hilfreich sind eine Gesamtansicht, ein Bild der Unterseite mit eventuellen Etiketten und Nahaufnahmen von Gebrauchsspuren. Sie erhalten eine unverbindliche Ersteinschätzung.
Größere Möbel schauen wir uns gern bei Ihnen vor Ort an. Dabei erklären wir Ihnen, welche Merkmale wir geprüft haben und wie unser Angebot zustande kommt. Sind Sie einverstanden, zahlen wir auf Wunsch direkt bar.
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Häufige Fragen
Ist jeder Stuhl von Vitra automatisch wertvoll?
Nein. Vitra produziert viele Entwürfe bis heute in großer Stückzahl, und aktuelle Modelle werden auch gebraucht häufig angeboten. Der Wert hängt vom Modell, vom Alter der Produktion und vom Zustand ab. Ältere oder seltene Ausführungen sind meist gefragter.
Lohnt es sich, ein einzelnes Stück anzubieten, oder nur ganze Einrichtungen?
Auch ein einzelner Sessel oder Stuhl kann interessant sein, wenn es sich um einen gesuchten Entwurf handelt. Mehrere zusammengehörige Stücke, etwa ein Satz Stühle, sind für Käufer oft besonders attraktiv. Schicken Sie uns im Zweifel einfach Fotos.
Wo finde ich den Namen des Designers?
Der Name des Gestalters steht selten direkt auf dem Möbel. Häufiger finden Sie den Hersteller auf einem Etikett oder einer Prägung. Über den Hersteller und die Form lässt sich der Entwurf dann meist zuordnen.
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