Ratgeber · Zinn und versilberte Gegenstände

Versilbert oder Massivsilber? Die Unterschiede

Von außen sehen massives und versilbertes Silber oft gleich aus. Für den Wert macht der Unterschied jedoch sehr viel aus, denn bei versilberter Ware liegt nur eine dünne Silberschicht auf einem anderen Metall. Wer die Herstellung und die Kennzeichnung kennt, kann seine Stücke deutlich besser einordnen.

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Zinn und versilberte Gegenstände

Zwei Bauweisen, ein ähnliches Aussehen

Massivsilber besteht durch und durch aus einer Silberlegierung, etwa mit dem Feingehalt 800 oder 925. Ein Löffel aus Massivsilber enthält also über sein gesamtes Gewicht hinweg Silber. Wird er abgenutzt, kommt darunter wieder Silber zum Vorschein.

Bei versilberten Gegenständen besteht der Körper aus einem unedlen Grundmetall. Darauf wird eine dünne Schicht Silber aufgebracht. Das Ergebnis sieht im Neuzustand ebenso glänzend aus, enthält aber nur einen Bruchteil des Silbers eines massiven Stücks.

Erst mit der Zeit zeigt sich der Unterschied. An Stellen, die häufig berührt oder gerieben werden, nutzt sich die Silberschicht ab. Bei Massivsilber bleibt die Farbe dort gleich, bei versilberter Ware tritt das Grundmetall hervor. Auch beim Gewicht gibt es Unterschiede, sie sind aber für Laien schwer zu beurteilen, weil das Grundmetall ähnlich schwer sein kann.

Wie Versilberung entsteht

Die heute übliche Versilberung erfolgt galvanisch: Das Werkstück wird in ein Bad gehängt und mithilfe von Strom mit Silber beschichtet. Dieses Verfahren setzte sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch und machte silbern glänzendes Tafelgerät für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich.

Davor gab es in England das sogenannte Sheffield Plate, bei dem eine Silberschicht mit Kupferblech verschmolzen und gemeinsam ausgewalzt wurde. Solche Stücke aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert sind heute eher selten und werden von Sammlern eigenständig bewertet. Als Grundmetall dienen bei galvanisch versilberter Ware meist Messing, Kupfer oder Neusilber, das auch Alpaka genannt wird.

Für die Pflege bedeutet das: Versilberte Stücke vertragen deutlich weniger Putzen als Massivsilber. Jedes kräftige Polieren trägt etwas von der Schicht ab, bis das Grundmetall sichtbar wird. Viele ältere versilberte Gegenstände zeigen genau diese Spuren jahrzehntelanger Pflege.

Was die Zahlen 90 und 100 bedeuten

Auf versilbertem Besteck aus Deutschland stehen oft Zahlen wie 80, 90, 100 oder 150. Sie geben an, wie viele Gramm Silber auf eine festgelegte Fläche von 24 Quadratdezimetern aufgetragen wurden. Diese Fläche entspricht ungefähr einem Dutzend Gabeln und einem Dutzend Löffeln.

Eine höhere Zahl bedeutet also eine dickere Silberschicht und damit ein langlebigeres Besteck. Mit einem Feingehalt hat die Angabe nichts zu tun. Eine 100 auf einem Löffel heißt nicht, dass dieser zu einem bestimmten Anteil aus Silber besteht, sondern beschreibt nur die Auflage.

Bei Kannen, Tabletts und Schalen fehlen solche Auflagezahlen häufig. Dort geben eher das Herstellerzeichen und Bezeichnungen wie Hartversilbert Auskunft über die Machart.

Typische Kennzeichen versilberter Ware

Neben den Auflagezahlen gibt es eine Reihe weiterer Hinweise. Häufig treten mehrere davon gemeinsam auf:

  • Herstellerzeichen wie WMF, Wellner, BSF oder Christofle ohne Feingehaltspunze
  • Bezeichnungen wie Hartversilbert, versilbert oder Alpaka
  • englische Kürzel wie EP, EPNS oder EPBM
  • Abgeriebene Stellen an Kanten, durch die ein gelbliches oder graues Metall scheint
  • Fehlen jeder Zahl, die für einen Feingehalt stehen könnte

Warum der Wert so verschieden ist

Massivsilber hat immer einen Materialwert, der sich aus Gewicht und Feingehalt ergibt. Bei versilberten Stücken ist die Silbermenge dagegen so gering, dass sich eine Rückgewinnung in der Regel nicht lohnt. Ihr Wert hängt deshalb fast ausschließlich davon ab, ob jemand das Stück als Gebrauchs- oder Dekorationsgegenstand weiterverwenden möchte.

Das heißt nicht, dass versilberte Ware wertlos ist. Gut erhaltene Stücke bekannter Hersteller, gelungene Entwürfe und vollständige Sätze finden durchaus Käufer. Die Erwartungen sollten sich aber am Gebrauchswert orientieren und nicht am Silberpreis. Für Laien gilt deshalb:

  • Massivsilber wird nach Gewicht, Feingehalt und gegebenenfalls Hersteller bewertet
  • Versilberte Ware wird nach Hersteller, Zustand der Auflage und Nachfrage bewertet
  • Der aktuelle Silberpreis spielt bei versilberten Stücken kaum eine Rolle
  • Mischbestände sollten Sie getrennt, aber gemeinsam anbieten

Unsicher? Wir sehen es uns an

Viele Kunden kommen mit genau dieser Frage zu uns: Ist das echt oder nur versilbert? Schicken Sie uns Fotos der Stempel, oder kommen Sie mit den Stücken zu einem Termin. Wir ordnen jedes Teil zu und sagen Ihnen klar, ob es als Massivsilber oder als versilberte Ware bewertet wird. Unser Angebot erläutern wir Ihnen Posten für Posten.

Bei Mischbeständen aus einem Nachlass sortieren wir gemeinsam mit Ihnen. So wissen Sie am Ende genau, welche Teile Massivsilber sind, welche versilbert und welche aus Edelstahl bestehen. Diese Klarheit hilft auch dann, wenn Sie einzelne Stücke lieber in der Familie behalten möchten.

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Häufige Fragen

Kann ich versilberte Stücke mit einem Magneten erkennen?

Nur eingeschränkt. Silber, Messing und Neusilber sind nicht magnetisch, deshalb reagieren die meisten versilberten Gegenstände ebenfalls nicht auf einen Magneten. Nur bei einem Kern aus Stahl zieht der Magnet an.

Was ist Sheffield Plate?

So nennt man ein älteres englisches Verfahren, bei dem Silber mit Kupferblech verschmolzen und dann zu Gegenständen verarbeitet wurde. Es wurde später durch die galvanische Versilberung abgelöst.

Lässt sich versilberte Ware neu versilbern?

Ja, Fachbetriebe bieten das an. Für einen Verkauf lohnt sich der Aufwand jedoch in aller Regel nicht, da die Kosten den möglichen Mehrerlös meist übersteigen.

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