Ratgeber · Silberbesteck und Tafelsilber
Silberbesteck erkennen: 800, 835, 925 und versilbert
In vielen Haushalten liegt ein Besteckkasten, von dem niemand genau weiß, ob er aus echtem Silber besteht. Die Antwort steht meist direkt auf dem Besteck: in Form kleiner Stempel, der sogenannten Punzen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese Zeichen lesen und echtes Silber von versilberter Ware unterscheiden.

Wo Sie die Punzen finden
Bei Gabeln und Löffeln sitzen die Stempel fast immer auf der Rückseite des Stiels, meist kurz vor dem Übergang zur Laffe oder zu den Zinken. Bei Messern finden Sie sie am Griff, häufig an der Zwinge oder am Griffende. Auf Kannen, Schalen und Leuchtern stehen die Punzen in der Regel auf dem Boden oder am Standring.
Die Zeichen sind oft winzig und durch Gebrauch abgerieben. Eine Lupe und eine gute Taschenlampe, die Sie schräg auf die Fläche richten, helfen sehr. Mit dem Smartphone und der Zoomfunktion gelingt eine brauchbare Nahaufnahme meist ebenfalls.
Die gängigen Feingehalte im Überblick
Die Zahl auf dem Silber gibt an, wie viele Tausendstel des Materials aus reinem Silber bestehen. Der Rest ist meist Kupfer, das die Legierung härter und damit alltagstauglich macht. Reines Silber wäre für Besteck zu weich.
Je nach Land und Zeit haben sich unterschiedliche Feingehalte durchgesetzt. In deutschen Haushalten begegnen Ihnen vor allem die folgenden Zahlen:
Für den Materialwert ist der Unterschied zwischen diesen Zahlen durchaus spürbar: Ein Besteck mit der Punze 925 enthält bei gleichem Gewicht deutlich mehr Silber als eines mit der Punze 800. Lesen Sie die Zahl deshalb möglichst genau ab und achten Sie darauf, ob alle Teile einer Garnitur denselben Stempel tragen. Gelegentlich wurden Bestecke später um Teile anderer Herkunft ergänzt.
- 800: der klassische Feingehalt für deutsches Silberbesteck, 80 Prozent Silberanteil
- 830: häufig bei skandinavischem Silber, oft mit einem zusätzlichen S
- 835: verbreitet in Deutschland und den Niederlanden
- 900: bei älteren Stücken und in einigen Ländern üblich
- 925: das sogenannte Sterlingsilber, international sehr verbreitet
Weitere Zeichen neben der Zahl
Deutsches Silber trägt seit 1888 neben dem Feingehalt oft das Zeichen aus Halbmond und Reichskrone. Dieses Zeichen zeigt an, dass das Stück aus Silber gefertigt ist und den angegebenen Feingehalt hat. Fehlt es, kann das Stück trotzdem echt sein, etwa wenn es älter ist oder aus dem Ausland stammt.
Häufig finden Sie zusätzlich eine Herstellermarke, also einen Namen, Initialen oder ein kleines Bildzeichen. Bekannte deutsche Silberwarenfabriken wie Wilkens, Koch & Bergfeld oder Robbe & Berking sind daran gut zu erkennen. Britisches Sterlingsilber trägt traditionell den schreitenden Löwen, ergänzt um Stadtzeichen und Jahresbuchstaben. Bei sehr alten Stücken aus dem 18. oder frühen 19. Jahrhundert sind Stadt- und Meistermarken üblich, deren Bestimmung Erfahrung erfordert.
Manche Zeichen werden leicht verwechselt. So ist eine reine Herstellermarke ohne Zahl noch kein Beleg für Silber, denn viele Firmen stellten sowohl Massivsilber als auch versilberte Ware her.
Versilbert: die Zahl ist kein Feingehalt
Steht auf Ihrem Besteck eine 90, 100 oder 120, handelt es sich nicht um Silber im Sinne eines Feingehalts. Diese Zahlen beschreiben die Stärke einer Silberauflage auf einem anderen Grundmetall. Solches Besteck ist versilbert und wird ganz anders bewertet als Massivsilber. Ausführlich erklären wir die Unterschiede im Beitrag zu versilberten Gegenständen.
Auch Begriffe wie Alpaka, Neusilber oder Abkürzungen wie EPNS deuten auf versilberte Ware hin. Neusilber und Alpaka enthalten trotz des Namens kein Silber, sondern bestehen aus Kupfer, Nickel und Zink.
Erste Prüfung ohne Hilfsmittel
Wenn keine Punze lesbar ist, geben einige einfache Beobachtungen erste Hinweise. Sie ersetzen keine fachliche Prüfung, helfen Ihnen aber bei der Einordnung:
- Echtes Silber läuft mit der Zeit gelblich bis schwärzlich an, Edelstahl nicht
- An abgenutzten Kanten scheint bei versilberter Ware oft ein gelbliches oder graues Grundmetall durch
- Silber ist nicht magnetisch; zieht ein Magnet kräftig an, steckt meist Stahl darin
- Massives Silberbesteck liegt spürbar schwer in der Hand
- Fehlen jede Punze und jede Herstellermarke, ist Vorsicht bei der Einschätzung angebracht
Punzen unkompliziert prüfen lassen
Sie müssen die Bestimmung nicht allein vornehmen. Fotografieren Sie die Rückseite einiger Teile so nah wie möglich und schicken Sie uns die Bilder per WhatsApp, per E-Mail oder über das Formular. Wir sagen Ihnen in einer unverbindlichen Ersteinschätzung, ob es sich um Massivsilber oder versilberte Ware handelt und wie wir die Stücke einordnen.
Möchten Sie das Besteck lieber zeigen als fotografieren, kommen wir auf Wunsch zu einem Termin zu Ihnen. Dort sehen wir uns die Punzen gemeinsam mit Ihnen an und erklären, was sie bedeuten.
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Häufige Fragen
Bedeutet die Zahl 800, dass das Besteck 800 Gramm wiegt?
Nein. Die Zahl 800 bezeichnet den Feingehalt, also 800 Tausendstel Silber in der Legierung. Über das Gewicht des Bestecks sagt sie nichts aus.
Ist Silber ohne Halbmond und Krone weniger wert?
Nicht unbedingt. Das Zeichen war in Deutschland ab 1888 üblich, ältere oder ausländische Stücke tragen es nicht. Entscheidend ist der tatsächliche Feingehalt, der auch über andere Marken bestimmt werden kann.
Was mache ich, wenn die Punze völlig abgerieben ist?
Dann hilft eine fachliche Prüfung weiter. Schicken Sie uns zunächst Fotos von mehreren Teilen, denn oft ist die Punze auf einem anderen Stück derselben Garnitur noch gut lesbar.
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