Ratgeber · Militaria und Orden
Orden und Ehrenzeichen: Worauf es bei der Bewertung ankommt
Orden und Ehrenzeichen sind kleine Gegenstände mit oft großer historischer Aussagekraft. Für Erben ist ihr Wert schwer einzuschätzen, zumal es viele Nachbildungen gibt. Dieser Beitrag erklärt sachlich, welche Merkmale bei der Bewertung eine Rolle spielen und warum der Zusammenhang mit Dokumenten so wichtig ist.
Was unter Orden und Ehrenzeichen verstanden wird
Orden und Ehrenzeichen sind staatliche oder landesherrliche Auszeichnungen. Neben militärischen Auszeichnungen gibt es viele zivile Ehrenzeichen, etwa für Verdienste im Rettungswesen, in der Feuerwehr, für langjährige Dienstzeiten oder für soziales Engagement. Im deutschen Raum reicht die Spanne von den Orden der Einzelstaaten im 19. Jahrhundert über das Kaiserreich bis in die Gegenwart.
Für Sammler sind Orden vor allem Zeugnisse der Geschichte. Sie interessieren sich für Stiftungsjahre, Verleihungszahlen, Herstellungsvarianten und die Lebenswege der Menschen, die sie erhalten haben. Eine sachliche Betrachtung steht dabei im Vordergrund. Besonders vielfältig ist das 19. Jahrhundert, als zahlreiche deutsche Einzelstaaten eigene Orden mit unterschiedlichen Klassen und Ausführungen stifteten. Manche davon wurden nur in sehr kleiner Zahl verliehen.
Die wichtigsten Bewertungskriterien
Ob ein Orden gesucht ist, hängt von mehreren Faktoren ab, die immer zusammen betrachtet werden. Häufig verliehene Auszeichnungen sind meist deutlich weniger gefragt als seltene Stufen oder Ausführungen.
- Art und Stufe der Auszeichnung sowie die Zahl der Verleihungen
- Echtheit und zeitgenössische Herstellung
- Material, etwa Silber, Gold, vergoldetes Silber, Bronze oder Zink
- Herstellermarken und Punzen auf der Rückseite oder am Ring
- Erhaltungszustand von Emaille, Vergoldung und Band
- Vorhandensein von Etui, Verleihungstüte und Urkunde
Material, Punzen und Herstellermarken
Viele hochwertige Orden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurden aus Edelmetall gefertigt. Silberne Stücke tragen häufig eine Feingehaltspunze wie 800 oder 900, manchmal auch Juwelierzeichen. Spätere Auszeichnungen wurden oft aus unedleren Metallen hergestellt, besonders in Zeiten der Rohstoffknappheit.
Herstellermarken geben Hinweise auf die Firma, die ein Stück gefertigt hat. Für bestimmte Zeiträume gibt es Kennzeichnungssysteme, die Fachleute bestimmten Betrieben zuordnen können. Eine Marke allein ist allerdings kein Beweis für Echtheit, denn gerade bekannte Marken werden auch auf Nachbildungen gesetzt.
Auch die Verarbeitung spielt eine Rolle. Fachleute achten auf Prägeschärfe, Gewicht, Konstruktion der Nadel oder des Bandrings und auf die Art der Emaillierung. Diese Details lassen sich nur am Original zuverlässig beurteilen. Fotos reichen für eine erste Orientierung, ersetzen aber nicht die Prüfung in der Hand, bei der auch Gewicht, Kanten und Oberflächen begutachtet werden können.
Urkunden und zusammengehörige Gruppen
Ein Orden mit der passenden Verleihungsurkunde ist für Sammler deutlich aussagekräftiger als ein Einzelstück. Gehören mehrere Auszeichnungen, Urkunden, Fotos und Dokumente zu einer Person, spricht man von einer Gruppe oder einem Nachlass. Solche zusammenhängenden Bestände erzählen eine Geschichte und werden entsprechend höher geschätzt.
Trennen Sie daher keine Stücke voneinander und bewahren Sie auch scheinbar unwichtige Papiere auf, etwa Besitzzeugnisse, Ausweise oder Briefe. Auch die Bandspange oder Ordensschnalle, auf der mehrere Auszeichnungen gemeinsam getragen wurden, sollte unverändert bleiben. Zu einer aussagekräftigen Gruppe können unter anderem gehören:
- Verleihungsurkunden und Besitzzeugnisse
- Ordensschnallen, Bandspangen und Miniaturen
- Etuis und originale Verleihungstüten
- Porträtfotos, auf denen die Auszeichnungen getragen werden
- Persönliche Dokumente wie Ausweise, Dienstzeugnisse oder Briefe
Nachbildungen und spätere Ausführungen
Kaum ein Sammelgebiet ist so stark von Nachbildungen betroffen wie Orden. Manche wurden als Sammlerkopien hergestellt, andere gezielt als Fälschungen in Umlauf gebracht. Für Laien sind sie oft nicht zu unterscheiden. Eine fachkundige Prüfung am Original ist deshalb unverzichtbar.
Daneben gibt es offizielle spätere Ausführungen. In der Bundesrepublik wurden nach 1957 für bestimmte Auszeichnungen aus der Zeit vor 1945 Ausführungen ohne die damals verwendeten Symbole zugelassen, die getragen werden durften. Diese Stücke sind keine Fälschungen, werden aber getrennt von den Originalen bewertet. Für Kennzeichen bestimmter Organisationen gelten in Deutschland gesetzliche Regeln. Bei rechtlichen Fragen wenden Sie sich bitte an einen Rechtsanwalt.
Orden diskret bewerten lassen
Senden Sie uns für eine erste Einschätzung Fotos der Vorder- und Rückseite jedes Stücks sowie von Etuis und Urkunden. Achten Sie darauf, dass Markierungen auf der Rückseite gut erkennbar sind. Wir sehen uns die Bilder an und geben Ihnen eine unverbindliche Rückmeldung.
Auf Wunsch kommen wir zu einem Termin zu Ihnen und prüfen die Stücke vor Ort. Wir behandeln Ihre Anfrage diskret, erklären Ihnen nachvollziehbar, wie wir zu unserer Bewertung kommen, und zahlen bei Einigung direkt in bar.
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Häufige Fragen
Sind Orden mit Namensgravur mehr wert?
Eine Gravur kann ein Stück einer bestimmten Person zuordnen und es dadurch für Sammler interessanter machen, vor allem wenn passende Dokumente vorhanden sind. Nachträglich angebrachte Gravuren ohne Beleg sind dagegen schwer zu beurteilen. Entfernen Sie Gravuren auf keinen Fall.
Soll ich angelaufene Orden polieren?
Nein. Die natürliche Patina gilt als Zeichen des Alters und wird von Sammlern geschätzt. Durch Polieren können Vergoldung, Emaille und feine Details beschädigt werden, was den Wert spürbar mindert.
Kauft Ankauf Allerlei auch zivile Ehrenzeichen an?
Ja, neben militärischen Auszeichnungen sehen wir uns auch zivile Ehrenzeichen an, etwa von Feuerwehr, Rotem Kreuz oder für Dienstjubiläen. Auch hier sind Etuis und Urkunden für die Bewertung hilfreich. Senden Sie uns am besten Fotos aller vorhandenen Stücke.
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