Ratgeber · Schallplatten
Erstpressung erkennen: Matrix, Label und Cover
Ob eine Schallplatte eine Erstpressung ist, entscheidet bei gesuchten Titeln oft über einen großen Teil ihres Werts. Viele Hinweise können Sie selbst finden, wenn Sie wissen, wo Sie hinschauen müssen: in der Auslaufrille, auf dem Etikett und auf der Hülle. Dieser Beitrag zeigt, welche Merkmale aussagekräftig sind und wo die Grenzen der eigenen Einschätzung liegen.
Was eine Erstpressung ausmacht
Als Erstpressung bezeichnen Sammler die frühesten Exemplare einer Veröffentlichung, und zwar in der Regel aus dem Land, in dem die Platte zuerst erschienen ist. Hat eine britische Band ihr Album zuerst in Großbritannien veröffentlicht, liegt die Erstpressung also dort und nicht in Deutschland oder den USA. Deutsche Ausgaben desselben Albums sind trotzdem interessant, werden aber meist anders gehandelt.
Wichtig ist der Unterschied zur Nachpressung. Erfolgreiche Alben wurden oft über viele Jahre immer wieder neu gepresst, häufig mit kleinen Änderungen am Etikett, an der Hülle oder an den Gravuren im Vinyl. Genau diese Unterschiede machen eine Bestimmung möglich, sie machen sie aber auch knifflig.
Die Matrixnummer in der Auslaufrille
Zwischen der letzten Musikrille und dem Etikett liegt die glatte Auslaufrille. Dort sind Zeichen eingraviert oder eingeprägt: die sogenannte Matrixnummer, oft ergänzt um Buchstaben, Ziffern oder Kürzel des Presswerks. Sie verrät, von welcher Pressvorlage die Platte stammt. Bei vielen bekannten Alben haben Sammler genau dokumentiert, welche Angaben zu den frühesten Pressungen gehören.
So lesen Sie die Gravur am besten:
- Platte schräg unter eine helle Lampe halten, dann werden die feinen Zeichen sichtbar
- Seite A und Seite B getrennt notieren, da sich die Angaben unterscheiden
- Auch handschriftlich geritzte Zeichen und kleine Stempel mit aufschreiben
- Die Angaben mit Datenbanken wie Discogs vergleichen, in denen Nutzer viele Pressungen erfasst haben
- Bei Abweichungen nicht vorschnell auf eine Fälschung schließen, denn oft liefen mehrere Varianten parallel
Das Etikett verrät die Epoche
Plattenfirmen haben das Aussehen ihrer Etiketten im Lauf der Jahrzehnte immer wieder verändert. Farbe, Logo, Schriftart und Randtexte gehören deshalb zu den wichtigsten Datierungshilfen. Trägt eine Platte ein Etikettendesign, das erst Jahre nach dem Erscheinen des Albums eingeführt wurde, kann sie keine Erstpressung sein. Umgekehrt passt ein frühes Design zu einer frühen Pressung, beweist sie allein aber noch nicht. Bei manchen Firmen geben auch kleine Details wie ein umlaufender Randtext oder die Position des Logos Aufschluss.
Achten Sie außerdem auf Angaben zu Verwertungsgesellschaften wie GEMA oder BIEM, auf Herkunftsvermerke wie „Made in Germany“ oder „Made in England“ und auf die Schreibweise der Titel. Druckfehler, die später korrigiert wurden, können ebenfalls auf eine frühe Auflage hinweisen.
Cover, Innenhülle und Beilagen
Auch die Hülle trägt Merkmale. Frühe Ausgaben unterscheiden sich teils in der Verarbeitung, etwa durch laminierte Oberflächen, aufklappbare Hüllen oder einen anderen Druckvermerk auf der Rückseite. Viele Alben wurden zudem mit Beilagen verkauft: bedruckte Innenhüllen, Poster, Textblätter oder Aufkleber. Fehlen sie, sinkt der Sammlerwert spürbar. Bewahren Sie deshalb alles auf, was in der Hülle steckt, auch wenn es unscheinbar wirkt.
Typische Hinweise darauf, dass Sie eine spätere Ausgabe in der Hand halten, sind:
- Ein Strichcode auf einem Album aus den 1960er Jahren, denn Barcodes kamen auf Plattenhüllen erst viel später auf
- Aufkleber oder Aufdrucke einer günstigen Wiederveröffentlichungsreihe
- Vermerke wie „Remastered“ oder „Reissue“
- Ein Etikettendesign, das nicht zum Erscheinungsjahr passt
- Firmenadressen oder Vertriebsangaben, die es zur Erscheinungszeit noch nicht gab
Wann sich ein zweiter Blick lohnt
Nicht jede Erstpressung ist wertvoll. Alben, die in sehr hohen Stückzahlen verkauft wurden, sind auch als frühe Exemplare oft leicht zu bekommen. Gesucht sind vor allem frühe Pressungen von Titeln, die damals wenig verkauft wurden und später Kultstatus erlangten, sowie Ausgaben mit seltenen Varianten.
Ebenso entscheidend bleibt der Zustand. Eine Erstpressung mit tiefen Kratzern erzielt oft weniger als eine sehr gut erhaltene Nachpressung desselben Albums. Die Pressung ist also ein wichtiger Baustein, aber nie der einzige.
Hinzu kommt, dass Sammler bei manchen Alben nicht nur die allererste Pressung suchen, sondern bestimmte Varianten: eine Mono-Ausgabe, eine Hülle mit später geändertem Motiv oder eine Pressung aus einem bestimmten Werk. Solche Feinheiten sind ohne Vergleichsmaterial kaum zu erkennen. Notieren Sie deshalb lieber alle Angaben vollständig, statt sich auf ein einzelnes Merkmal zu verlassen.
Ihre Platten bei Ankauf Allerlei bestimmen lassen
Die genaue Bestimmung müssen Sie nicht selbst vornehmen. Schicken Sie uns per WhatsApp, E-Mail oder über das Formular Fotos von Etiketten, Rückseiten und einigen auffälligen Titeln, dann erhalten Sie eine unverbindliche Ersteinschätzung. Bei größeren Sammlungen kommen wir auf Wunsch zu Ihnen, prüfen die Pressungen und erklären Ihnen, wie unser Angebot zustande kommt. Klassik kaufen wir nicht an, alle anderen Genres sehen wir uns gern an.
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Häufige Fragen
Ist eine deutsche Pressung eines englischen Albums weniger wert?
Häufig wird die Pressung aus dem Ursprungsland höher gehandelt. Deutsche Ausgaben haben aber manchmal eigene Cover oder Besonderheiten, die Sammler gezielt suchen. Es kommt deshalb immer auf den einzelnen Titel an.
Was bedeutet ein Promo-Stempel auf dem Etikett?
Promo-Exemplare wurden an Radiosender, Presse oder Händler verteilt, oft schon vor dem regulären Erscheinen. Sie tragen meist einen Stempel, einen Aufkleber oder ein eigenes Etikett. Sammler interessieren sich häufig dafür, der Wert hängt aber stark vom Titel ab.
Kann man die Matrixnummer auch auf einem Foto erkennen?
Mit etwas Geduld ja. Fotografieren Sie die Auslaufrille schräg und mit seitlichem Licht, damit die Gravur Schatten wirft. Gelingt das nicht, schreiben Sie die Zeichen einfach ab und schicken uns die Notiz mit.
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